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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Achtes Kapitel.

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und Herkunst unseres Gleichen sind, denn bei allen diesen tritt esaugenfälliger an uns heran, daß ihr Geschick auch uns gelegentlichtreffen könne. Ueberhaupt nämlich hat man sich an den Satz zuhalten, daß für die Menschen dasjenige, was sie fürsich selbst fürchten, wenn es andern widerfährt, Gegen-stand des Mitleids ist.

11. Da ferner die nahe an uns herantretende Erscheinung derLeiden mitleiderregend ist, während man über das tausend Jahrefrüher Geschehene oder tausend Jahre später in Aussicht stehende, daswir entweder im Gedanken haben oder nicht erwarten, entweder über-haupt gar kein Mitleid oder doch nicht in gleichem Maße') empfindet,so folgt daraus nothwendig, daß diejenigen, welche durch Geberden,Töne, Kleidung und überhaupt durch sinnfällige Darstellung aufuns einzuwirken suchen, stärkeres Mitleid erregen. Denn indem sieuns das Unglück vor die Augen führen, bewirken sie, daß es uns naheerscheint, sei es als bevorstehend, oder als schon geschehen. 15. Undso ist denn auch das eben erst Geschehene oder das binnen kurzem zuGewärtigende mit demselben Grunde in höherem Grade zur Erregungdes Mitleids geeignet. 16. Ebendahin gehört die Vorführung vonBeweiszeichen und Handlungen, z. B. von Kleidern der Verstorbenenund dergleichen mehr, und von den Reden und andern Aeußerungender leidenden Personen im Augenblicke des Leidens, z. B. im Augen-blicke des Sterbens; und wenn einer sich in solchen Lagen und Um-ständen als ein tüchtiger Mann erwies, so wird dadurch unser Mitleidvorzugsweise erregt. Alles dieses nämlich verstärkt unser Mitleid,dadurch, daß das Leiden uns nahe gerückt wird, weil einerseits derLeidende unverdient zu leiden scheint, und weil wir sein Leiden mitAugen zu sehen glauben.

Wie mit einem nahe stehenden.

2) Der Ausdruck des Textes V7rox§l<5«) bezeichnet näher die Mittelschauspielerischer Kunstdarstellung.