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Zweites Buch.
fährt, nachdem er bereits ausgelitten hat, wie z. B. dem Diopeitherdie Geschenke des Königs erst zugeschickt wurden, als er bereits todtwar >). Ferner wenn einem in seinem Leben entweder gar nichtsGutes widerfahren ist, oder wenn derselbe nicht zum Genüsse des ihmwiderfahrenen kommt.
Dies und ähnliches also find die Gegenstände und Veranlassun-gen, über welche man Mitleid empfindet.
12. Was die Umstände betrifft, unter welchen man Mitleidfühlt, so gehört dazu, einmal, daß die Personen uns bekannt sind,aber nicht uns allzu nahe durch Verwandtschaft stehen; denn imBetreff dieser letzteren empfinden wir ebenso, als wenn wir selbst ingleicher Lage wären. Darum heißt es auch, daß Amasis 2) nichtweinte, als er seinen Sohn zum Tode führen sah, wohl aber über sei-nen Freund, als dieser ihn um ein Almosen ansprach; denn dies letz-tere ist mitleiderrcgend, jenes erstere dagegen entsetzlich. Das Entsetz-liche nämlich ist etwas ganz anderes, als das Mitleiderrezende, ja eshebt das Mitleid gewaltsam auf und ist in vielen Fällen nützlich, umdas Gegentheil hervorzubringen. Doch fühlen wir Mitleid, wennuns selbst das Entsetzliche nahe ist. 13. Ferner fühlt man Mit-leid mit solchen, die nach Alter, Charakter, Verhältnissen, Stellung
Diopeither, Athenischer Feldherr, Zeitgenosse und Freund des De-mosthenes und wie dieser heftiger Gegner des Mnkcdonischen Philipp. — Bonseinem Ende wissen wir nichts, als woS hier Aristoteles berichtet: dag diegroßen Geschenke, die ihm der Perserkönig (wohl zum Lohn für seine KriegS-thaten gegen den Makedonerkönigl sendete, erst nnkamen, als er bereits todtwar. Vgl. Dropsen: über die Aechtheit der Urkunden in der Nede des De-mosthenes vom Kranze, S. 178. — Diopeither war übrigens der Vater des
berühmten KomodiendichtcrS Menander. Wahrscheinlich war er von der Make-donischen Partei in Athen, gegen deren Angriffe ihn Demosthenes vertheidigte,
dahin gebracht worden, daß er zu einer schweren Geldstrafe vernrthcilt wurde,
die ihn zmu armen Manne machte, und daß ihm darüber das Herz brach,grade als die Geschenke des Perserkönigs an ihn unterwegs waren, die ihmseinen Verlust reichlich ersetzten. Sein Schicksal erinnert an das vielbesungeneähnliche des Dichters Firdusi.
2) Herodot (III, >4) erzählt dies von Psammenit.
2) Ich verstehe diese schwierige Stelle so: Der einzige Fast, wo ein „Ent-setzliches" (csktr-or-) unser Mitleid erregt, ist, wenn dasselbe noch nicht geschehen,sondern nur erst in der Nähe ist.