Achtes Kapitel.
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diese gehören zu ihnen und find Wesen, denen die gedachten Nebelwiderfahren können. 6. Ferner die, welche weder in einem männ-lichen Affekte find, wie im Zorn oder in zuversichtlichem Muthe —denn diese Affekte berechnen nicht was kommen kann, — noch in einerübermüthigen Verfassung, — denn auch der Uebermüthige zieht esnicht in den Kreis seiner Berechnung, daß ihm etwas widerfahrenkönne, — sondern die, welche zwischen diesen in der Mitte stehen.Auch wer in großer Angst ist, fühlt nicht Mitleid, denn die von einemSchreckensschlage Getroffenen empfinden darum kein Mitleid, weil sievöllig an ihren eigenen Affekt hingegeben sind.
7. Ferner gehört zum Mitleidfühlen, daß man an sittliche Gütebei Menschen glaubt, — denn wer keinen für gut hält, wird alle desUnglücks werth achten; und überhaupt also, daß man sich in der Lagebefindet, sich zu erinnern, daß dergleichen uns selbst oder einen derUnfern schon einmal betroffen habe, oder die Aussicht zu haben, daßuns selbst oder einem der Unsrigen dergleichen begegnen könne. —So viel von den Umständen und der Verfassung, in welcher man Mit-leid empfindet.
8. Die Dinge, über welche man Mitleid empfindet, ergeben sich
aus der Definition des Mitleids. Mitleid erregend sind nämlich allediejenigen leid- und schmerzvollen Uebel, welche Verderben drohen,sowie alle, welche tödtlich wirken, und endlich alle Uebel, welche dasSchicksal über uns bringt, wenn sie bedeutend sind >). 9—10.
Schmerz und Verderben bringend sind Tödtungen, körperliche Miß-handlungen, leibliche Beschädigungen, Alter, Krankheiten, Nahrungs-mangel, und unter den liebeln, welche das Schicksal verhängt: gänz-licher oder fast gänzlicher Mangel an Freuden, — (daher auch dasgewaltsam von seinen Freunden und Verwandten weggerissen werdenbemitleidenswerth ist), Mißgestalt, Gebrechlichkeit, Verstümmelung.Ferner wenn aus einer Handlung, aus der man allen Grund hat, sichetwas Gutes zu versprechen, ein Uebel für uns resultirt, und solchessich oft wiederholt. 11. Ferner, wenn Jemand etwas Gutes wider-
*) Die griechischen Worte sind wichtig für das Ver,
siündniß der Aristoteiischen Definition der Tragödie (Poetik Kap. VI.), wennman dazu Politik. IV, 13, 1 extr. vergleicht.