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Zweites Buch.
Hiermit wäre denn über das dankbar- und undankbarsein ge-sprochen.
Achtes Kapitel.
Jetzt wollen wir angeben, welche Dinge mitleiderregend findund mit welchen Menschen und in welcher eigenen Verfassung wirMitleid fühlen.
2. Sagen wir also: Mitleid ist ein gewisses Schmerzgefühlüber ein Untergang und Schmerz drohendes Nebel, welches wir einenMenschen treffen sehen, der es nicht verdient, dasselbe zu erleiden, einUebel, welches auch wir uns möglicherweise, sei eS für uns selbst oderfür einen der Unsrigen, zu versehen haben, und zwar, wenn es als naheerscheint; denn es ist klar, daß der, welcher Mitleid empfinden soll,notwendig ein Mensch solcher Art und Verfassung sein muß, daß erglauben mag: es könne möglicherweise entweder er selbst oder einerder Seinigen irgend ein Uebel erleiden, und zwar ein Uebel der in derDefinition genannten Art, oder ein ähnliches oder verwandtes. —
3. Daher fühlen die ganz Elenden kein Mitleid — denn sie glauben,ihnen könne kein Leid mehr geschehen, weil sie schon daS Aeußersteerlitten haben, — und ebensowenig die, welche sich für überglücklichhalten; sondern diese letzteren find übermüthig. Das ist auch ganzlogisch, denn wenn sie sich im Besitze aller mögliche» Güter glauben,so muß auch das darunter sein, daß ihnen keinerlei Uebel widerfahrenkönne, denn das gehört auch zu den Gütern ').
4. Menschen von der Art und Verfassung, daß sie glauben, eskönne sie möglicherweise ein Uebel treffen, sind: die schon früher Un-glück erlitten haben und davongekommen sind; ferner ältere Personen,sowohl wegen ihrer Einficht, als wegen ihrer Erfahrung; ferner dieSchwachen, und in noch höherem Grade die sehr Feigherzigen; fernerdie Unterrichteten, weil sie zu berechnen und zu kombiniren verstehen.
5. Ferner solche, die Eltern oder Kinder oder Frauen haben, denn
Vgl. Lessing, Hamburg. Dramaturgie Th. II, 7SsteS Stück (Th. VII,