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Aristoteles, Redekunst.
nicht verargt, so folgt daraus, daß er das, was er nicht thut, sichereinem anderen verargt. 20. Ferner schämt man sich vor denen,welche, was sie sehen und erfahren, unter die Leute zu bringenlieben, denn es macht keinen Unterschied, ob man etwas nicht fürschimpflich ansieht oder es nicht weiter unter die Leute bringt. *Ausbringerisch aber sind einerseits die von uns Beleidigten,weil sie auf eine Gelegenheit lauern (es uns zu vergelten), undandererseits die Afterrederischen, — denn wenn diese letzterenselbst solche angreifen, die nichts Böses gethan haben, um wie viel-mehr diejenigen, die etwas gethan haben?
Ferner vor denen, deren Geschäftsbetrieb die Fehler ihrerNebenmenschen sind, wie die Satiriker und Komödienschreiber;denn diese Menschenklasse ist durch die Bank in gewisser Weiseafterrederisch und ausbringerisch. Ferner vor denen, die uns nochniemals etwas abgeschlagen haben, denn ihnen gegenüber fühltman sich von ihnen hochgehalten; darum schämt man sich auch vordenen, welche uns zuerst um etwas gebeten haben, weil uns ihreBitte als ein Beweis erscheint, daß wir in ihren Augen noch nie-mals unfern Ruf befleckt haben. Solche Leute sind eben sowohldiejenigen, welche erst kürzlich unsere Freunde zu sein wünschten— (denn sie haben nun das Schönste und Beste an uns erschaut,und die Antwort des Euripi'des an die Syrakusa'ner^ sagt ganzdas richtige) — als von unseren alten Freunden solche, die nichtsÜbles von uns wissen.
1. Der Sinn ist dieser: Ob jemand, der Zeuge einer Situation oderHandlung war, über die wir Scham empfinden, jene Handlung oder Si-tuation nicht für eine solche ansieht (Soxel), deren wir uns schämenmüßten, oder ob er sie wenigstens nicht unter die Leute bringt, das istin der Folge für uns einerlei. Z' B. ein Zeuge, der uns berauscht gesehenund es nicht weiter sagt, ist für uns gerade dasselbe, was ein Zeuge, dereinen Rausch für nichts Schimpfliches hält.
2. Ruhnken vermutete, daß fürEuripides vielmehr Hyperi'des zu lesensei. Aber es kommt nichts dabei heraus, welche Lesart richtig sei, da wir dievon Aristoteles hier gemeinte „Antwort" nicht kennen. Die Erklärung desScholiasten lautet: „EuripideS, an dieSyrakusaner als Gesandter geschickt, umFrieden und Freundschaft nachzusuchen, sagte, als jene ihn abschläglich be-schieden: ,Jhr hättet, o Männer vonSyrakus, wenn auch auS keinem andernGrunde, jedenfalls schon darum vor uns Rücksichten der Achtung und Scham