Zweites Buch. Sechstes Kapitel
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teil uns etwas gilt, als schimpflicherscheinen. Dahin gehören alleaus sittlicher Schlechtigkeit hervorgehenden Handlungen, z. B.seinen Schild wegwersen oder in der Schlacht fliehen, denn diessind Handlungen der Feigheit. Ferner anvertrautes Gut unter-schlagen, denn das ist eine Handlung der Ungerechtigkeit. —4. Ferner Befriedigung fleischlicher Lust mit Personen, mit welchen,oder an einem Orte oder zu einer Zeit, wo mqn nicht sollte; denndas ist eine Handlung der Zügellosigkeit. 5. Ferner Gewinnsuchen von kleinen oder von schimpflichen oder von unmöglichenDingen, die von Armen oder an Toten ^ — (woher das Sprich-wort: „es wo möglich sogar von den Toten nehmen") — denndas sind Handlungen schmutziger Gewinnsucht und Gemeinheit. —6. Ferner nicht anderen mit seinem Vermögen helfen, obschon mandazu die Mittel hat, oder geringere Hilfe leisten, als man könnte.Desgleichen von Minderbemittelten Hilfe annehmen. 7. Fernerum ein Darlehen ansuchen bei einem, wenn man vermutet, daßderselbe uns um ein solches bitten wolle um ein zweites Dar-lehen bitten, wenn man vermutet, daß der andere das erste zurück-fordern will; selbst zurückfordern, wenn man vermutet, daß derandere bitten wolle; etwas loben, um anzudeuten, daß man eshaben möchte; abgewiesen, dennoch mit seiner Bitte wiederkommen,— denn alles dieses sind Zeichen von gemeiner Gesinnung.
8. Jemand ins Angesicht loben ist eine Handlung derSchmeichelei, ebenso von Angesicht zu Angesicht jemandes Vor-züge übermäßig loben, seine Fehler dagegen bemänteln, einemTrauernden ein Übermaß von Beileid bezeigen und was allesdergleichen mehr ist; denn das sind lauter Zeichen von Schmeichelei.
9. Ferner Anstrengungen nicht ertragen, denen sich Leute,die älter als wir sind, oder Weichlinge oder Leute, die es wenigernötig haben, als wir, oder überhaupt unkräftigerc, als wir, unter-ziehen; denn das sind lauter Zeichen von Weichlichkeit.
10. Ferner von einem anderen Wohlthaten,und zwar oft wicdcr-
1. Dem von Aristoteles angeführten griechischen Sprichworts entsprichtunser: „Er nimmt'ö vom Altar!"
2. Man vergleiche Martials reizendes Epigramm auf seinen alten„Schulkameraden" Scptus (II, 44) und das andere ans Ge'llius (IX, 42).