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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Aristoteles, Redekunst.

ohne vorhergegangene Bitte und Verschweigung des Geleisteten;denn in solchem Falle erscheint der Dienst um unscrerselbst willenund nicht aus irgend einer anderen Nebenabsicht geleistet.

30. Wenden wir uns jetzt zur Feindschaft und zur Em-pfindung des Hassens, so liegt es am Tage, das; sie aus demGegentheile des eben Gesagten abzuleiten sind. Ursachen derFeindschaft sind: Zorn, Mißhandlung, Verleumdung. -

31. Zorn wiederum entsteht aus etwas, das uus selbst wider-fahren ist, Feindschaft dagegen auch ohne daß uns selbst etwasgeschah, denn selbst wenn wir bloß annehmen, daß jemand dazufähig seifi hassen wir ihn. Ferner richtet sich der Zorn immerauf etwas Individuelles, z. B. gegen Ka'llias oder Sollrates, derHaß dagegen auch auf ganze Gattungen, denn den Dieb und denSpkopha'ntcn haßt jedermann. Ferner ist jener durch die Zeitheilbar, dieser aber unheilbar, und der erstere sucht wehe zu thun,der letztere dagegen zu schaden, denn der Zürnende will, daßman seinen Zorn empfinde, während es dem Hassenden daraufnicht ankommt. Alles aber, was wehe thut, trifft immer die Em-pfindung, während gerade das, was am meisten schädigt, Ungerech-tigkeit, Unverstand, die Empfindung am wenigsten trifft; denn dasVorhandensein einer solchen schlechten Eigenschaft verursacht keineSchmerzempfindung. Ferner ist das eine mit Schmerz verbunden,das andere nicht mit Schmerz verbunden; denn der Zürnende em-pfindet Schmerz, der Hassende dagegen nicht. Auch kann zwarwohl jener, wenn seinem Feinde viel Schlimmes widerfährt, zu-letzt Mitleid empfinden, dieser aber über nichts; denn jener willnur, daß der, dem er zürnt, auch seinerseits leide, dieser aber willden Gegenstand seines Hasses vernichtet sehen.

32. Hieraus erhellt also, daß es möglich ist, die, welcheFreunde und Feinde sind, als solche darzustellcn. Ferner die,welche es nicht sind, dazu zu machen, und die, welche es zu seinbehaupten, zu widerlegen, endlich bei Zweifeln, ob etwas ausZorn oder aus Feindschaft geschehen sei, den Zweifelnden auf die-jenige Seite zu lenken, welche im Interesse des Redners liegt.

I. Um etwas Beleidigendes u. s. w. anzuthun.