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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch. Viertes Kapitel.

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uns trotzdem gleichfalls möglich ist; denn freilich, wenn dies letz-tere nicht der Fall ist, so ist es auch hier dieselbe Geschichte.*

23. Ferner diejenigen, mit welchen wir so stehen, daß wiruns vor ihnen in bezug auf gewisse allgemein geltende Anstands-grundsätze nicht genieren, nämlich wenn wir diese Personen dabeikeineswegs verachten und ebenso die, vor denen man sich in be-zug auf wirklich schämenswerte Dinge geniert. 24. Ferner Leute,an deren Achtung uns liegt und an denen wir Nacheiferer undnicht Neider haben möchten, die lieben wir entweder oder wünschenihre Freunde zu sein. 25. Ferner diejenigen, denen wir gern zumGuten verhelfen möchten, falls uns selber daraus nicht ein wesent-licheres Übel zu erwachsen droht. 26. Ferner ist man denen ge-neigt, welche Abwesende und Gegenwärtige gleich liebevoll be-handeln, weshalb denn auch alle Welt diejenigen liebt, welchegegen Verstorbene sich also erweisen. Ferner überhaupt diejenigen,welche im hohen Grade Freunde ihrer Freunde sind ^ und denselbenniemals fehlen; denn unter allen Rechtschaffenen liebt man ammeisten einen rechtschaffenen Freund. 27. Ferner Leute, dienicht vor uns Komödie spielen. Zu solchen gehören auch die, dieihre eigenen Fehler und Schwächen auf der Zunge tragen. Dennwir haben oben gesagt, daß wir uns gegen Freunde in bezugauf gewisse allgemeine Unschicklichkeitsgrundsätze nicht genieren;wenn also der, der sich geniert, nicht unser Freund ist, so erscheintder, der sich nicht geniert, als unser Freund. Ferner Leute, dieuns nicht Gegenstand der Furcht sind und zu denen wir (vielmehr)Vertrauen haben; denn niemand ist der Freund dessen, vor dem ersich fürchtet.

28. Arten und Formen der Freundschaft sind: Genossenschaft,vertraute Bekanntschaft, Verwandtschaft und so weiter. 29. Stif-tungsmittel der Freundschaft sind: erwiesene Güte, Dienstleistungen

1. D. h. es tritt dieselbe Eifersucht ein.

2. Wie das z. B. derjenige that, gegen den Martiall (X, V. 14) denPfeil seines bekannten Epigrannnes schleuderte, das mit demDlstichon schließt:

Worin allein du als Freund mich behandelst, o Kri'spus, was ist es?Daß du vor mir dich beträgst, wie sich ein Flegel beträgt.

3. Vergl. Aristo'teles, NikomVchische Ethik, VIII, I.