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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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124
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124 Aristoteles, Redekunst.

aus wem wir uns etwas machen, den verlieren wir nicht aus denAugen.

20. Ferner zürnen wir denen, welche sich über unsere Unfällefreue»,sowieüberhauptdenen,wclche bei unserenUnfällen wohlgemutbleiben, denn es ist entweder einZeichcn vonfeindseligerGesinnungoder von Gleichgiltigkeit: desgleichen denen, welche nichts danachfragen, ob sie uns wehe thun oder nicht. Darum zürnt man auchden Verkündern schlechter Botschaften. 21. Ferner denen, welchevon Schlechtigkeiten, die an uns sind, (ohne Teilnahme) redenhören oder Augenzeugen von solchen sind, denn solche kommen unsvor wie Geringschätzende oder Feindselige. Denn Freunde em-pfinden dabei schmerzliche Teilnahme, und beim Anblicke vonSchlechtigkeiten an demjenigen, was uns nahe berührt, wird jeder-mann von schmerzlicher Empfindung ergriffen.

22. Ferner zürnt man allen denen, die uns in Gegenwart vonfünf Artenvon Leuten Geringschätzung zeigen, nämlich n) vor solchen,nach deren Hochschätzung wir trachten, d) vor solchen, welche wir be-wundern, v) vor solchen, von welchen wir bewundert zu werdenwünschen, oder ä) vor denen wir uns schämen, oder endlich s) vorsolchen, die sich vor uns schämen. Wenn im Angesichte solcher Leuteuns jemand Geringschätzung zeigt, so verstärkt dies unfern Zorn.

23. Ferner denen, welche uns in bezug auf solche Verhältnissedurch Geringschätzung kränken, für welche nicht einzutreten eineSchande für uns wäre, also in bezug auf Eltern, Kinder, Frauenund Untergebene. 24. Ferner denen, welche sich für geleistetesGute nicht dankbar erweisen, denn hier ist die Geringschätzung eineVerletzung der gebührenden Schuldigkeit. Ferner denen, die uns mitscherzender Ironie behandeln, wenn wir ernsthaft sind; denn dieIronie hat immer etwas von Verachtung. 25. Ferner denen, welche imallgemeinen gegen jedermann gutthätig sind, wenn sie es nicht auchgegen uns sind; denn auch darin liegt eine gewisse Verachtung, daß manuns nicht desselben wie alle anderen wert hält. 26. Eine Auf-

bracht wurde, weil er den Tyrannen durch seine Freimütigkeit verletzt hatte,so hat uns Aristoteles im 6. Kapitel dieses Buches einen interessantenAusspruch aufbehalten, den er ans seinen letzten Gange that.