Zweites Buch. Zweites Kapitel.
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15. Ferner Befreundete mehr als Nichtbefreundete, weil manvon ihnen vielmehrerwarten zukönnenmeint, Gutes zu erfahren, alsumgekehrt. — 16. Ferner wenn Personen, von denen mir Achtungund Aufmerksamkeit zu erfahren gewohnt sind, uns einmal nicht sobehandeln. Denn auch von solchen glauben wir uns in solchemFall* verachtet, weil sie ja sonst wie zuvor thun würden. Fernerdie, welche von uns empfangeneWohlthatennichterwidernodernichtin gebührendem Maße vergelten. — 17. Ferner die, welche uns zu-wider handeln, wenn sie unter uns stehen; denn bei allen solchen hates den Anschein, als ob sie uns verachten, und zwar die letzteren, alsseien wir die niedriger stehenden, die ersteren, als hätten sie Wohl-thaten von niedrigerstehenden empfangen. — 18. Fernersteigert sichunser Zorn noch, wenn Leute, welche von gar keiner Bedeutung sind,uns irgendwie kränkende Vernachlässigung zeigen; denn wir habenoben^ festgestellt, Zorn entstehe durch kränkende Vernachlässigungvon seiten solcher, denen es nicht zukommt, den niedriger stehendenaber kommt es zu, sich keiner Vernachlässigung schuldig zu machen.
l 9. Über unsere Freunde zürnen wir, wenn sie uns weder inWorten noch inWerkenLiebes erweisen, und nochmehr, wennsiedasGegenteil thun und wenn sie nicht merken, wo es uns fehlt, wieA'ntiphons Plexi'ppos dem Melea'gros zürnt^; Unaufmerksamkeit istnämlich ein Zeichen von geringschätzender Vernachlässigung. Denn
„Die einzigen," sagt er dort, „die im Staate sich beklagen könnten, daß ihnennicht ihr laov sspr. i'sonj, d. h. das was ihnen zukommt, zu teil werde,sind die geistigen Größen, die ihre Umgebung an Einsicht überragendenDenker; und gerade diese beklagen sich niemals."
1. Nämlich wenn sie bloß einmal uns nicht positive Zeichen ihrer Ach-tung und Aufmerksamkeit geben, ohne darum gerade und direkt irgendwiezu verletzen.
2. S. in diesem Kapitel § 7.
3. Plexippos ist der Name des Bruders von Meleagros' MutterAlthä'a. Wie eS scheint, zürnt in der Tragödie des Dichters Antiphon derOheim Plexippos seinem Neffen Melegros deshalb, weil dieser bei der kaly-donischen Eberjagd nicht ihm, sondern der Atalante das Haupt des erlegtenTieres als Siegestrophäe überließ. Aristoteles führt im 23. Kapitel mehrereVerse aus der Tragödie „Meleagros" von Antiphon an, und was den Dichterbetrifft, welcher von Dionys I. von Syraku's, an dessen Hofe er lebte, uinge-