Aristoteles, Redekunst.
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2. Ist diese Definition des Zornes richtig, so folgt daraus mitNotwendigkeit, daß der Zürnende immer einem bestimmten Einzelnenzürnt, z. B. dem Kle'on, nicht aber einemMenschen im allgemeinen,und zwar weil derselbe ihm selbst oder einem der Seinen etwas ge-than hat oder thun wollte, und ferner, daß in jedem Falle der Zornimmer von einem gewissen Lustgefühl begleitet sein muß, welchesaus der Hoffnung entspringt, sich dafür zu rächen. Denn es ist an-genehm sich vorzustellen, daß man erreichen werde, wonach manbegehrt, und niemand begehrt das, was er für sich unerreichbaransieht, der Zürnende aber begehrt etwas, was er als ihm erreichbaransieht. Daher heißt es sehr bezeichnend vom Zornmute:
„Der weit süßer zuerst, denn sanft eingleitender Honig,
Bald in der Männer Brust aufwächst. . .">
Derselbe hat nämlich nicht nur aus diesem Grunde eine gewisse Lustin seinemGefolge, sondern auch weildieZornigeninihremGedankensich mit der Rache beschäftigen, und die daraus entspringende Vor-stellung der Phantasie flößt ein Lustgefühl ein, wie das ist,welches die Träume gewähren.
3. Mißachtende Kränkung^ ist die in einer Handlungausgedrückte Ansicht über einen Gegenstand, den wir keiner Berück-sichtigung wert achten. Wir halten nämlich ebensowohl das Böseals das Gute unserer ernsten Beachtung wert und ebenso dasjenige,was zu einem oder dem andern von diesen beiden führt, alles dashingegen, was entweder gar nicht oder doch nur von geringem Ein-flüsse darauf ist, sehen wir als keiner Beachtung wert an. Nun gibtes drei Arten mißachtender Kränkung: Verachtung, mutwilligeVerletzung und übermütige Beleidigung. — 4. Wer Ver-achtung zeigt, der kränkt, denn nur worauf man gar keinen Wertlegt, das verachtet man, und was keinen Wert hat, das kränkt man
1. Worte Achtlls bei Home'r, J'lias, XVIII, 109 fg., vom Zorne(/äXo?, wofür hier Ao^.6; steht). Dasselbe Zitat lesen wir schon obenKap. 11, § 9.
2. Daö griechische Wort ist durch einen einzelnen deutschen
Ausdruck nicht wiederzugeben. Als Handlung gefaßt ist eS der Ausdruckeiner ungebührlichen Geringschätzung und Mißachtung.