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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch. Zweites Kapitel.

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entnehmen, was oben über die Tugenden abgehandelt worden ist^,denn dieselben Mittel, durch welche man einen andern als im Be-sitze dieser Eigenschaften hinstellt, gelten auch für uns selbst. 8. ÜberWohlwollen und Freundschaft dagegen haben wir jetzt zu handeln,wo wir auf die Affekte zu sprechen kommen.

Affekte sind alle solche Gemütsbewegungen, infolge deren dieMenschen je nach dem Wechsel derselben in ihren Urteilen wechselnund mit welchen Lust und Unlust verbunden sind, wie z. B. Zorn,Mitleid, Furcht und dergleichen mehr, sowie die Gegensätze der-selben.

9. Bei jedem einzelnen Affekte hat man dreierlei zu unter-scheiden. Ich ineine folgendes. Beim Zorn z. B. ist erstens zuuntersuchen, in welcher Verfassung und unter welchen Umständender Mensch zornmütig ist, zweitens über welche Menschen er ge-wöhnlich in Zorn gerät und drittens über welche Art Dinge.Denn gesetzt, wir hätten nur eins oder zwei von diesen Stückeninne, nicht aber alle zusammen, so dürfte es uns unmöglich sein,den Zorn nach Belieben zu erregen, und ebenso ist es mit den an-deren Affekten. Wie wirnunin denvorhergehendenUntersuchungenimmer die betreffenden Grundsätze gleichsam übersichtlich hinge-zcichnet haben, so wollen wir es auch hier ebenso machen und dieeinzelnen Gegenstände nach besagter Weise abhandeln.

Zweites Kapitel.

1. Sagen wir also: Zorn ist ein mit Unlust verbundenes^Trachten nach etwas, das uns als strafende Vergeltung erscheint füretwas, worin wir (von seiten eines nicht dazu Berechtigten) eine unge-bührliche Kränkung unserer selbst oder eines der Unsrigen erblicken.

1. Vgl. Rhetorik, Erstes Buch, Kap. 9.

2. Genauer eigentlich:von Schmerzgefühl (Xün^) begleitetes Trachten".Die WorteZorn" undTrachten" und vpck:?) sind im Grie-chischen ein und desselben Stammes,,, dessen Verbum ein innnerlich schwel-lendes Sichregen bedeutet. Der Übersetzung bleibt das unerreichbar.Über die Definition selbst vgl. Nikoma'chische Elhik VIl, 6, K 4.