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Aristoteles, Redekunst.
scheine und daß die Zuhörer oder Richter ihn so oder so gestimmtansehen, und endlich darauf, ob auch die letzteren so oder so ge-stimmt sind.
4. Daß der Redner in einer gewissen Verfassung erscheine,ist von großer Wichtigkeit in Fällen der Beratung; dagegen daßder Hörer so oder so gestimmt sei, ist wichtiger in Gerichtsver-handlungen; denn Liebe und Haß, zornige Aufregung und ruhigeGcmütsstimmung haben nicht gleiche Ansichten über die Dinge,sondern sehen dieselben entweder grundverschieden oder doch inHinsicht der Wichtigkeit verschieden an. Dem Liebenden nämlichscheint der, über welchen er zu urteilen hat, entweder gar nicht oderdoch nur in geringem Maße schuldig zu sein, dem Hassenden da-gegen umgekehrt. Desgleichen erscheint dem von lebhaftem Ver-langen und froher Hoffnung Erfüllten das ihm als zukünftig vor-schwebende Ziel, wenn es etwas Angenehmes ist, als sicher er-reichbar und seine Erreichung ein Glück für ihn, während bei demGleichgiltigen und Verdrießlichen der umgekehrte Fall eintritt.
5. 6. Daß derRedner selbst glaubwürdig erscheine, bewirkennun drei Dinge — soviele Ursachen gibt es nämlich, um derent-willen wir jemand Glauben schenken, abgesehen von den Beweisen.Diese drei Dinge sind: Einsicht, Tugend, Wohlwollen.Denn alle Täuschung, welche die Menschen in Fällen, wo sie zureden und zu raten haben, ausüben, läßt sich entweder auf diesedrei Dinge zusammen oder auf eins derselben zurückführcn: ent-weder nämlich ist Unverstand der Grund, weshalb sie nicht dierichtige Ansicht haben, oder sie haben die richtige Ansicht, sprechenaber aus Schlechtigkeit nicht das aus, was ihre wirkliche Meinungist, oder endlich sie sind zwar einsichtsvolle und brave Leute, abernicht wohlwollend gesinnt. Daher passiert es, daß manche Leutenicht das beste raten, obschon sie es sehr wohl kennen. Außer diesen dreiMomenten gibt es keine weiteren. Daraus folgt also mit Notwendig-keit, daß derjenige, der dieselben allein sichzuvereincnscheint, indcnAugen dcrHörer notwendig ein glaubwürdiger Mann sein muß.
7. Wie es nun der Redner bewerkstelligen könne, als ein-sichtsvoll und rechtschaffen zu erscheinen, kann man aus demjenigen