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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Erstes Buch. Fünfzehntes Kapitel.

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28. Als Grund, warum man ihn nicht anbiete, kann mansagen: ein Meineid sei leicht geschworen, und: der Gegner,wenn er einmal geschworen habe, werde sich nicht herbeilassen, unsden Eid wieder anzubieten, sondern sich darauf verlassen, das; dieRichter gegen den, der nicht geschworen habe, erkennen werden".Desgleichen: man verlasse sich in diesem Prozesse mit besseremFug auf die Richter, denn ihnen vertraue man, der Gegenparteiaber nicht. 29. Als Grund, warum man den Eid nicht an-nehmc, kann man sagen: es handele sich hier um einen Eid überGeld und Gut, und wenn man gewissenlos wäre, könne man leichtschwören, denn es sei doch besser, für was gewissenlos zu sein, alsfür nichts,- wenn man also schwöre, werde man sein Geld haben,wenn man aber nicht schwöre, nicht. Auf diese Art erscheint dasRichtschnuren als Folge tugendhafter Gewissenhaftigkeit undnicht als Folge der Furcht vor Meineid. Hierher paßt auch derAusspruch des rkcno'phanes": bei dieser Herausforderung zumEide habe der Gewissenhafte nicht gleiches Spiel mit dem Ge-wissenlosen, sondern es sei gerade so, als wenn ein Starker einenSchwachen herausfordere, zu schlagen oder sich schlagen zu lassen.

30. Nimmt man die Aufforderung zum Eide an, so kann mansagen: man thue es, weil man sich selber vertraue, dem Gegneraber nicht. Desgleichen kann man den Ausspruch des Leno-phanes umkehren und sagen: das allerdings sei gleiches Spiel,wenn der Gewissenlose den Eid zuschiebe und der Gewissenhafteihn leiste, und: es wäre doch sehr übel, wenn man selber dasnicht beschwören wolle, worüber man doch als Richter nurLeute anerkennen wolle, die zuvor einen Eid geleistet hätten.

- 31. Bietet man dagegen dem andern den Eid an, so kannman sagen: ein frommer Mann stelle seine Sache den Götternanheim, und der Gegner habe gar nicht nötig, andere Richterzu verlangen, man lege ja die Entscheidung in seine Hand.

I. Tenophanes ans Ko'lophon, berühmter Philosoph, Stifter undHaupt derEleatischen Schule", lehrend im sechsten vorchristlichen Jahr-hunderte, ein Denker von hohem sittlichen Ernste und erhabener Ge-sinnung, dessen zahlreiche Schriften poetischer Form verloren sind.

* Der Laut, hinter dem das Zeichen ' steht, hat den Ton: Deutschland n'ber a'stes.V 2 tra"gn'lchridtschrB.gr. u.rüm.Sl.: Bd.21; Lsrq. Aristoteles II. 8