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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Erstes Buch. Zwölftes Kapitel.

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dann gleichsam kein Bedenken mehr gestattet ist; wie man erzählt,Äneside'mos* habe dem Ge'lon, als dieser eine Stadt überfallen undihre Bewohner in die Sklaverei verkauft hatte, dafür als für einenglücklichen Ko'ttaboswurf einPreisgeschenk übersandt, um damit an-zudeuten, das; er selbst das gleiche im Schilde geführt habe undjener ihm nur zuvorgekommen sei? Ferner: solche, durch derenBeeinträchtigung man in den Stand gesetzt wird, viel Gutes zu thun,weil man in solchen Fällen glaubt, es leicht wieder gut machen zukönnen, was auf das Wort Za'sons von Thessalien ^ hinausläuft:er müsse zuweilen einiges Unrecht thun, um die Möglichkeit zuhaben, viel Gerechtes zu thun".

32. Ferner ist man geneigt Unrecht zu begehen in solchenFällen, wo alle Welt oder doch viele Menschen dasselbe zu thunpflegen, denn da hält man sich der Verzeihung sicher.33. 34. Ferner: bei Gegenständen, die leicht zu verheimlichen sind,wohin alles das gehört, was schnell verbraucht wird, wie z. B. alleEßwaaren oder was sich durch Umgestaltung, Umfärbung undMischung leicht verändern läßt oder was sich überall leicht ausdem Gesicht bringen läßt, wohin alles gehört, was leicht fortzu-tragen und in kleinen Räumen zu verstecken ist? 35. Desgleichen

1. Die beiden hohen Herren, Leide Tyrannen, Gelon von Syraku'S,Änesidemos von Leonti'ni in Sizilien, hatten, ohne voneinander zu wissen,jeder den gleichen Anschlag gegen irgendwelche Stadt im Schilde geführt.Gelon aber war seinem Herrn Bruder zuvorgckommen, und dieser er-kannte dies durch einen Witz an, indem er das ganze wie eine stillschwei-gende Wette beimKottabosspiel" betrachtete und dem Gelon, gleichsamals hätte dieser ihn durch einen geschicktenWurf" besiegt, eine Prämieauszahlte. Die Thatsache wird sonst von keinem Alten berichtet, ist abersehr charakteristisch für die Naivität der alten hellenischen Tyrannen. Vgl.Aristoteles, Politik, V, 9.

2. Der Wahlspruch dieses genialen thessalischen Tyrannen, einesGeistesverwandten Napoleons des Dritten, lautete nach P ln tat ch (Poli-tische Lehren, Kap. 66):Wer im großen gerecht sein will, mnß imkleinen Unrecht thun." Vgl. die Ausleger zu Aristoteles' Politik III,Kap. 2, und Pauly's Realencyklopädie IV, S. 29 ff.

3. Bis hierher hatte Aristoteles (nach § 17 dieses Kapitels) die Per-sonen charakterisiert, gegen die man gewöhnlich Unrecht begeht. Jetzt wendeter sich zu den Dingen und Gegenständen, welche das Unrecht begünstigen.

* Der Laut, hinter dem daS Zeichen ' steht, hat den Ton: Deul'schland ri'ber a'lleS.l'sai'ftt.'scbktdisckid B. yr. tt. rbw. Kl. : Dd. 21 i Lsrg.21.) Slr i st o t e l e s II. 7