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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
88
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88 Erstes Buch.

21. Auch das Lernen und das Sichvcrwundern ist in der Re-gel angenehm, denn in dem Sichvcrwundern liegt die Begierde zulernen, so daß also das Vcrwundernswerthe zugleich ein Begehrens-wcrthes ist, in dem Lernen andererseits liegt das Sich in den natür-lichen Zustand versetzen ').

22. Auch das Wohlthatenerwcisen und das Wohlthatenempsan-gen gehört zu den angenehmen Dingen. Denn das Wohlthaten-empfangen heißt, erlangen wonach Einer begehrt, und das Wohltha-tenerweisen heißt soviel als: haben und mehr haben, als ein Anderer,beides Dinge, wonach die Menschen begehren. Und weil die Fähig-keit wohlzuthun ein Angenehmes ist, so ist cs für die Menschen auchangenehm, ihre Nebenmcnschen zurecht zu weisen und das Mangel-hafte 2) zu vollenden.

23. Da nun das Lernen einerseits, und das Sichverwundernandrerseits lustgewährend sind, so müssen auch solche Dinge noth-wcndig lustgewährend sein, wie z. B. Alles, was die Thätigkeit desnachahmendcn Darstellers übt, gleichwie die Malerkunst, die Bild-hauerei und die Poesie, und ebenso alles, was das vollendete Pro-dukt einer solchen nachahmendcn Darstellung ist, selbst wenn der dar-gestellte Gegenstand, an und für sich genommen, nicht angenehmist. Denn nicht dieser ist es, woran sich der Beobachter freut, son-dern es ist ein Schluß, der uns erkennen läßt: dieß ist das, so daß

r- Das von Hvraz gepriesene KU allmliarl läuft hierauf hinaus. ES istnichts anders, als Erkenntniß und damit richtige Würdigung der Dinge, welcheallerdings gegenüber dem nicht begreifenden Anstaunen (allmlrari) allein demGeiste Ruhe gibt. DaSSich verwundern" <A<ru^tt<^Ltv) ist nach Aristotelesder Ausgangspunkt alles PhilosophirenS, weil eS ein Gefühl des Nichtwis-sens ist (Metaphys. I, Kp. 2. §. >5>. Der Schlußpunkt aber ist das Be-weisen, die befriedigte Einsicht in die Nothwendigkcit.

2) Das heißt: das von andern nicht zum Abschluß gebrachte. Eineder feinsten psychologischen Bemerkungen, welche besonders die Philologcnzunftbestätigt.

5) D. h. solche bei denen beides in'S Spiel kommt.

^ Ich lese mit Twinning und Tyrwhitt s. Buhle zu

Arist. Poetik x. 302.