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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Erstes Buch.

sprechen, über das Angenehme aber wollen wir jetzt reden. Dochbitte ich, die hier zu gebenden Begriffsbestimmungen als genügendanzusehcn, wenn sie für jeden einzelnen Begriff klar sind, ohne geradephilosophisch erschöpfend zu sein.

Eilstcs Kapitel.

Als Grundlage diene der Satz: die Lust ist eine gewisse Auf-regung der Seele und zugleich eine vollendcteund fühlbare beruhigendeVersetzung derselben in den ihr naturgemäßen Zustand, und die Un-lust das Gegenthcil davon ').

2. Ist nun Lust ein solcherProzeß, so ist auch lu stbringcndalles, was den angegebencnZustand hcrvorbringt, während alles, wasihn stört oder die entgegengesetzte Verfassung (der Seele) hervorbringt,schmerzh aft ist.

3. Daraus folgt mit Nothwcndigkeit ^), daß lust bringendim Allgemeinen d a s Vollziehen des Naturgemäßen ist, zu-mal, wenn das, waS ihrem Triebe gemäß vollzogen wird, schließlichseine vollkommene natürliche Erfüllung erlangt ^),und die Ge-

Die ältere» Erklärer bemerken zu dieser Definition »nier Hinweisungauf die Nikomachische Ethik des Philosophen, in welcher derselbe Gegenstandgründlicher und ausführlicher behandelt eVII, ep. >2 ff. X, e,>. 3 ff.l, ja diehier gegebene Erklärung als unvollständig bezeichnet wird, daß der Philv-opbeben nur, seiner im letzten §. deö vorhergehenden Kapitels voraugeschiiktcn vor.behältlichen Bemerkung gemäß, die populärste und bekannteste Definition derLust und Unlust zu Grunde legen wollte, was auch in dem griechische» Aus-züge des Originals selbst (vTto-tkt'uAeM angedentct sei. Wgl. auch Biese II,S. 370 -378. Jakob BernayS Grundzüge der verlorenen Abhandlungdes Aristoteles über die Wirkung der Tragödie S. l78.

2) Aristoteles zählt jetzt achtzehn verschiedene Arten des Lustbringenden(Angenehmen) auf.

3> Schlafen z. V. ist ein Nalurbedürfniß, also angenehm, aber vollkom-men angenehm (lnstbringcnd) doch nur dann, wenn der Schlaf so ist, wie ervon Natur sein soll, vollkommen ungestörtes Nuhen.Das Vollziehen desNaturgemäßen" ist im Original durch eine Wendung auSgedrüfft, von welcherdas Ciecrvnische natura,n segu! die wörtliche Uebersktzung ist, nämlich durch dieWendung,der Natur nachgehn".