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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
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Zehnte- Kapitel.

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Verlangen, oder die vernünftigen Uebcrlcgungen der Handelndenselbst dennoch durch sie vollbracht wird. Aus Gewohnheit:alles das, was sie thuu, weil sie cs oft gethan haben. Aus »er-st ändig er Reflexion: dasjenige, was sie unter den obengenann-ten Gütern als für sich nützlich anschcn, sei cs als Zweck, oder alsMittel zum Zweck, wohlgemcrkt: sobald cs darum, weil es nützt, ge-than wird; denn manches ihnen Nützliche thun auch die Zügellosen,aber nicht weil cs ihnen nützt, sondern wegen der Lust, die es ihnengewährt.-l7. Aus Aufwalluug und Zorn geschehen alleHandlungen der Rache. Es ist aber ein Unterschied zwischen Züch-tigung und Rache, denn die Züchtigung freilich geschieht um desLeidenden willen, die Rache aber um dessentwillen, der sie übt, weiler sich ein Genüge thun will. l8. Was nun der Zorn ist, daswird in den Kapiteln über die Leidenschaften klar gemacht werden.Aus Begierde aber geschieht alles das, was als lustbringend er-scheint. Zu dem Lustbringcnden gehört aber das, was für uns ein, sei esnatürliches oder künstliches, Gewohntes ist; denn vieles, selbst vonsolchen Dingen, die von Natur nicht lustbringend find, thut man doch,wenn man sich daran gewöhnt hat. mit Lust.

Also in Summa gesagt: Alles, was die Menschen aus eigenemAntriebe thun, das ist insgesammt entweder ein Gut, oder etwas,das als gut erscheint, oder entweder ein Lustbringcndcs, oder als lust-bringend Erscheinendes. Da nun der Mensch alles, was er aus eigenemAntriebe thut, freiwillig thut, unfreiwillig dagegen alles, was ernicht aus eigenem Antriebe thut, so folgt daraus, daß alles, was manfreiwillig thut, entweder wirklich oder scheinbar gut, entweder wirklichoder scheinbar lustbringend sein muß. Ich zähle nämlich auch dieBefreiung von wirklichen oder scheinbaren Uebeln, oder die Ver-tauschung eines größeren gegen ein geringeres zu den Gütern dennbeide sind relativ crstrcbcnswerth, und ebenso zähle ich die Be-freiung von etwas wirklich oder scheinbar Beschwerlichem, oder dieEnttäuschung von einem kleineren für einen größeren Schmerz, zudem Lustbringenden.

19. Wir müssen uns also das Nützliche und das Angenehmeund die verschiedenen Arten beider klar zu machen suchen. Ueberdas Nützliche ist bereits früher bei der berathenden Redegattung ge-

AristvteleS', Redekunst. 8