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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
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Erstes Buch.

mehrere, so sind sie in demjenigen, worin sie lasterhaft sind, auch un-gerecht >), z. B. der Geizhals in Geldsachen, der Wüstling in kör-perlichen Lüsten, der Weichling in seinen Genüssen, der Feigling inGefahren, denn ein solcher laßt aus Furcht seine Kameraden imStich: der Ehrgeizige wo es Ehre gilt, der Hitzige wenn seinZorn in's Spiel kommt, der Ruhmgierige wenn cs den Siegsruhmgilt, der Unversöhnliche wo cS Rache gilt, der Unverständige weil ersich täuscht über Recht und Unrecht, der Schamlose aus Gering-schätzung der öffentlichen Meinung, und ebenso jeder andere, je nachdem bestimmten Gegenstände, welcher seiner ihn beherrschenden Lei-denschaft zum Grunde liegt 5. Jedoch über diese Dinge ergibtsich das Nöthige theils aus dem, was bereits über die Tugenden ge-sagt worden ist 3), theils aus dem, was weiterhin über die Leiden-schaften erörtert werden wird ^), und so bleibt nur noch übrig, unsdarüber auszusprechcn: weßwcgcn und in welcher Verfassung derMensch Unrecht thut und gegen wen?

6. Setzen wir also zunächst auseinander, was der Mensch er-strebt und was er abwenden will, wenn er cs unternimmt Unrecht zwthun. Denn es ist klar, daß der Anklagendc einerseits cs in's Augezu fassen hat, was und wie viel von demjenigen, wonach alle diestreben, welche ihren Ncbcnmcnschen Unrecht thun, bei seinem Gegnersich vorfindet, während cs andererseits für den Vcrthcidigcnden daraufankommt, was und wieviel davon nicht sich vorfindet.

7. Nun ist eS Thatsache, daß alle Menschen alle ihre Hand-lungen theils nicht aus eigenem Antriebe, theils aus eigenem An-triebe thun. Von dem, was sie nicht aus eigenem Antriebe voll-bringen, thun sie manches ausZufall, manches aus Zwang. Das, wassie aus Zwang thun, thun sie entweder aus äusserer Gewalt, oder ausNaturnotwendigkeit. Also: Alles, was der Mensch nicht auseigenem Antriebe thut, das thut er entweder ausZufall, oder

>) Ungerecht («ekexox) ist hier zu fassen INS r fertig znm Nnrechtthun.2) Bgl. Diese II, S. ZI2 ff. und SS4.

2) Vgl. oben Kap. IX.

Bgl. Nhktvr. Buch II, die ersten Kapilel.