Druckschrift 
2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

Neuntes Kapitel.

75

was er durch Glückszufall, sondern auf das, was er durch fich selberbesaß", ist ein Lob. Also: sobald du zu loben beabsichtigst, sieh zu,was du als Lehre empfehlen, und wenn als Lehre zu empfehlen, siehzu, was du loben würdest '). 37. Der Ausdruck aber wird noth-wendig entgegengesetzt sein, je nachdem eine verbietende oder nichtverbietende Lehre so umgeändert wird.

38. Auch wird man (in der Lobrede) vielfach von den Stei-gerungs Mitteln Gebrauch zu machen haben, z. B. wenn Eineretwas allein, oder als der Erste, oder mit Wenigen, oder auch imgroßartigsten Maßstabe gethan hat, denn all das ist schön. Fernerhat man die Zeiten und Umstände in Betracht zu ziehen, und zwar,sofern dieselben solche Leistung nicht erwarten ließen. Dcßgleichen,wenn Einer wiederholt das Nämliche glücklich geleistet hat, denn daswird jedermann für groß und für etwas ansehcn, was nicht durchGlückszufall, sondern durch den Handelnden selbst geleistet worden sei.Ferner: wenn Zeichen der Aufmunterung und der Ehre um seinet-wegen erfunden und ausgcrichtct worden sind, und wenn es Einer ist,aus den zuerst eine öffentliche Lobrede gemacht worden ist, wie ausHippolochos, und für Harmodios und Aristogeiton die Ausstellungihrer Statuen auf dem Marktplatze ^).

Ebenso verfährt man in den entgegengesetzten Fällen ^). Gibtdir die zu lobende Person selbst nicht Stoff genug, so gilt es, sie mitandern zu vergleichen, wie das Jsokrates zu thun pflegte, in Folge

lieber bie Form der zweite» Person s. zu III, IS, §. 4.

2) Bon dem Hippolochos, auf den die erste Lobrede gehalten wor-den sein soll, wisse» wir nichts. ES ist mir überhaupt wahrscheinlich, daß derganze ihn betreffende Satz:und wenn es Einer ist Hippolochos" ein spä-teres Einschiebsel ist, denn die Construktion wird durch denselben und beson-ders durch die Präposition a u f <cex>, die seht auch auf Harmod. und Arist.bezogen werden muß, ungebührlich zerrissen. lieber die Ehrenstatuen desHarmvdivS und Aristogeiton, der unsterblichen Tprannenmörder, vgl. man:Torso v. Ad. Stahr I, S. 480 ff. Auslegung zu Arist. Polit. V, 12 . DerMarktplatz", die Agora, lag im Stadttheil KerameikoS. S. Forkhammer To-pographie v. Athen S. 37 ff.

S) Wo es zu tadeln gilt, und wo z. B. bei einem Kain hervorzuhebcwäre, daß er der erste Mörder aus Erden war." Portur.

"l lieber das Verhältniß des Aristoteles zu Jsokrates, dem hochgefeiertenVa-