Neuntes Kapitel.
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31. Ferner auch '): Alles was Einer so gethan hat, wie manes von ihm erwarten konnte, z. B. wenn seine Thaten seiner Vor-fahren oder seiner früheren Leistungen würdig sind; denn es vermehrtdie Glückseligkeit und ist schön, seinen Besitz an Ehre zu mehren.Ebenso, wenn Einer gegen die Erwartung sich besser und edler gezeigthat, z. B. wenn er im Glücke maßvoll, im Unglück dagegen sich hoch-gemuth, oder, zu Größe cmporgesticgcn, sich besser und versöhnlicherzeigte. Dahin gehört das Wort des Jphikrates^): „Wer warich, und wer bin ich?" und das Wort des olympischen Siegers:
„DormalS über die Schultern gelebt das Lastende —"
und des Simonides Epigramm ^):
„Sie, die Vater »nd Mann und die Brüder gesehn als Tyrannen" —
32. Da es ferner Handlungen sind, aus denen das Lob her-vorgeht, und da cS im Wesen des tüchtigen Mannes liegt, mit Absichtzu handeln, so hat der Redner die Aufgabe, zu zeigen, daß der Ge-genstand seines Lobes mit Absicht gehandelt habe. Dazu trägt vielbei, ihn als einen Mann darzustcllen, der häufig so gehandelt hat.Der Redner muß daher auch die Zufälligkeiten und Glücksfälle, alsin der Absicht desselben liegend, auffassen; denn wenn Vielerlei vonverwandter Art aufgezählt wird, wird der Zuhörer darin ein Merk-mal von Tüchtigkeit und bewußter Absicht erblicken.
33. Die Lobrede ist eine Rede, welche die Größe der Tu-gend sichtbar vor Augen stellt. Folglich muß der Redner die Thatenin diesem Lichte zeigen. Das Enkomion dagegen hat es mitLeistungen zu thun, und die umgebenden Umstände dienen nur zur
u Man ergänze: gereicht zum Lobe, oder: ist als schön d. h. edel undwohlanständig aufzufassen und darznstellen.
2) Vgl. oben Kap. VII, § 32, wo beide Beispiele schon angeführt sind.
Vers aus der Grabschrift, welche Simonides für die Archedike, Tochterdes Tyrannen HippiaS, Gemahlin des AcantideS, Tyrannen von LampsakuS, ge-dichtet hatte, und die dennoch, wie die Grabschrift rühmte:
„Nimmer zum Uebermuth sich im Gcmüthe erhob".
Die vollständige Grabschrift ist aufbchalten bei ThueydidcS VI. 5S. Auch dieBrüder der Archedike wurden nach dem Zeugnisse desselben Schriftstellers (VI,55.) als Tyrannen von Athen angesehen.