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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Erstes Buch.

und Tadel verwenden, und z. B. den Vorsichtigen kalt und hinter-listig, und den Tropf einen gutartigen Menschen , und den Stumpf-sinnigen sanftmüthig nennen '). 29. Und ebenso kann man jedesDing, nach den damit verbundenen Eigenschaften, immer von derbesten Seite auffassen, z. B. den Zornmüthigen und Tobenden alseinen Offenherzigen, und den Hochmüthigen als einen Hochsinnigcnund Würdevollen, und überhaupt die, welche sich im Uebermaße einerEigenschaft befinden, als solche ansehen, welche sich innerhalb derEigenschaften selbst halten, z. B. den Frcchverwogencn als tapfer^),den Verschwender als freigebig. Denn die Menge wird dieser An-sicht Beifall geben, und zugleich gibt ein solches Verfahren die Mög-lichkeit zuTrugschlüssen aus der Ursache" ^). Denn wenn Einer da,wo es nicht nöthig ist, Gefahren aufsucht ^), so darf man mit Fugannehmen, das er cs noch in weit höherem Grade da thun wird, woes Ehre bringt; und wenn Einer verschwenderisch gegen den erstenBesten ist, so wird er es auch gegen seine Freunde sein, denn cs istUebermaß einer Tugend, Allen Gutes erzeigen.

30. Man muß aber auch das ins Auge fassen, vor welchemPublikum man etwas lobt, denn, wie Sokrates zu sagen pflegte ^),es ist nicht schwer, vor Athenern eine Lobrede auf Athener zu halten.Da gilt es denn, das, was bei jedem einzelnen Volke besonders ge-schätzt wird , als vorhanden darzustellcn, je nachdem z. B. die Zu-hörer Skythen oder Lakonen oder Philosophen sind, und überhauptdas Geschätzte in das Gebiet des Schönen zu übertragen, da ja ohne-hin beide für enge Nachbarn gelten.

1) Beispiele bei Ovid in derLicbeSkuust". II, 657 ff. vgl. mit PlatoStaat" V, x. 666. Lucret. IV. extr. Plntarch Dion cp. 9. Tacit.6erm. 30. Horaz Satir. 1, 3, 4l 69.

2) Bgl. Nhetor. II, 23.

3) D. h. zu Schlüsse», in denen etwas als Grund einer Sache angenom-men wird, das nicht Grund ist. lieber diese handelt Aristvt. 6s SoxiUst.Lleneliis ex. 5. p. 163, > 1 . 2l. S. Biese II, 591.

4) Bezieht sich ans das kurz zuvor angeführte Beispiel des Frechvcrwege-neu, der durch einen falschen Schluß als tapfer dargestellt wird.

b) Platon, Slensxenos p. 235 6. Dasselbe Wort wird unten III, Kp.14 § II. wieder angeführr.