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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
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Neuntes Kapitel.

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über diese reden, auch zugleich diejenigen Gesichtspunkt klar machen,von denen das Urthcil über unser» eigenen sittlichen Charakter ab-hängig ist, worin nach dem obigen das zweite Mittel, auf die Ueber-zcugung Anderer zu wirken, besteht. Denn es sind dieselben Mittel,welche uns befähigen werden, sowohl uns selbst, als einen Andern, alsglaubwürdig in Rücksicht auf moralische Güte des Charakters hinzu-stellcn.

2. Da cs nun vorkommt, daß man häufig theils im Ernst, theilsohne ernstliche Absicht nicht nur einen Menschen und einen Gott,sondern auch sogar leblose Dinge und irgend ein beliebiges Wesenanderer Art lobt >), so muß man glcichmäßigerwcise auch dafür dieBeweissätze in seiner Gewalt haben; wir wollen also, soweit als cszur Anschaulichkeit gehört, auch darüber sprechen.

3. Also: Schön 2) ist alles, was, während cs um seiner selbstwillen crstrebcnswerth ist, zugleich lobcnswerth ist, oder: was zugleichgut und, weil gut, auch angenehm ist. Ist dieß nun das Schöne,so muß notwendig die Tugend schön sein, denn sie ist ein Gut undzugleich lobcnswerth. 4. Tugend ist aber, nach der allgemeinenAnsicht, ein Vermögen sich Güter zu verschaffen und zu erhalten,und: ein Vermögen, viele und große wohlthätigc Dienste und zwarAllen und in aller Hinsicht zu leisten. S. Theile der Tugendferner sind: Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung, großartiger Sinn,Hochherzigkeit, Freigebigkeit, Milde, Klugheit, Weisheit. 6. Noth-wendig müssen nun die größten Tugenden diejenigen sein, welche fürandere die nützlichsten sind, wenn es wahr ist, daß die Tugend einVermögen ist wohlzuthun. Darum ehren die Menschen die Gerechtenund Tapfer» am meisten, denn die eine dieser Tugenden ist im Kriege,die andere auch im Frieden Andern nützlich. Beiden zunächst

1) Anspiel»,,!, auf die Sitte der Lobreden, wie sie di- sophistischen Rede-knnstler ans alles Mögliche hielten, wovon sich In der Arist. Rhetorik zahlreicheBeispiele finden.

2) Schön lxttliä,/) für immer im sittlichen Sinne zu fassen, als das was

edel nnd wohlanständig ist; häßlich ebenso als schimpf-

lich, unehrenhaft, unanständig.

*) Vgl. Biese II, §. LS0.

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