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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
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Achtes Kapitel.

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3. Der Verfassungen aber gibt es vier: Demokratie, Oligarchie,Aristokratie, Monarchie, und so ist die oberste Gewalt und das Ent-scheidende in diesen Staaten entweder immer ein bestimmter Thcil,oder das Ganze. Demokratie ist die Verfassung, in welcherman die Staatsämter durch's Loos vertheilt; Oligarchie, wo dieHochbcgütcrten dieselben unter sich vcrthcilen; Ar istokratie, wodie durch Bildung Bevorzugten regieren unter Bildung versteheich hier die auf gesetzlicher Bestimmung beruhende, denn es sind die,die sich stets in Gesetz und Herkommen gehalten Habens welche in derAristokratie herrschen. Diese müssen nämlich nothwcndig in denAugen ihrer Mitbürger als die Besten erscheinen, und daher kommtauch der Name ') dieser Verfassung. Monarchie endlich ist, wieihr Name besagt, wo Einer übcrMen steht, und zwar heißt diejenigeMonarchie, wo diese Herrschaft durch bestimmte Ordnungen geregeltist, Königthum; wo sic dagegen schrankenlos ist, Tyrannei.

5. Natürlich muß manüber den Zweck jeder einzelnen Staats-form nicht in Unwissenheit sein. Denn nach dem was diesem Zweckegemäß ist werden die Beschlüsse gefaßt. Zweck also dcrDemokratieist die Freiheit, der Oligarchie Rcichthum, der Aristokratie alleswas zur Erhaltung der Bildung und der gesetzlichen Ordnung führt,der Tyrannei persönliche Sicherheit^). Daraus ergibt sich,daß man die auf den Zweck jeder einzelnen Staatsform abzielcndenBräuche, Einrichtungen und Vorthcilc genau kennen muß, weil jadie Menschen ihre Entscheidung immer mit Bezug auf den Zweckfassen 3).

6. Da nun aber die Ueberzeugungsmittel nicht blos durch einebeweisende Darstellung gewonnen werden, sondern auch durch eineethische auf der Persönlichkeit des Redners beruhende denn

Aristokratie" Herrschaft der Besten.

2 ) Das Prinzip der Herrschaft Louis Napoleons!

3 ) Einfacher kann die große Wahrheit wohl nicht auSgcdrückt werde»,gegen die sich in unserer Zeit nur Heuchler sträuben: daß tue StaatSform undVerfassung auch die Ansichten der Menschen über das Gute und Schlechte, überEhre und Schande bedingen. Aristoteles kommt weiter unten II, Kap. 18, §. 1wieder darauf zurück.

Aristoteles' Redekunst. S