Erstes Buch. Fünftes Kapitel.
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halten werden oder irgend etwas besitzen, wonach alle streben oderdie grosse Mehrzahl oder die Guten oder die Verständigen.
9. Ehre ist Anzeichen eines Rufs, daß man ein verdienst-voller Mann sei; geehrt werden daher mit Recht und vorzugsweisedie, welche wirklich Verdienstliches geleistet haben; indessen wirddoch auch derjenige geehrt, welcher das Vermögen besitzt, Verdienst-liches zu leisten. Verdienstliche Leistung bezieht sich entwederauf Erhaltung der Existenz und auf das, was diese bedingt, oder aufReichtum oder auf eins der anderen Güter, deren Erwerbung ent-weder überhaupt oder gerade an diesem Orte oder zu dieser Zeitnicht leicht ist; denn viele kommen zu Ehre wegen anscheinend ge-ringer Dinge, aber Ort und Zeit thaten diese Wirkung? EinzelneEhrenbezeigungen sind: Opfer, Denkmalinschriften in Versen undin Prosa, Ehrengeschenke, geweihte Stätten, Ehrenplätze, Ehren-begräbnisse, Ehrenstandbilder, Speisung auf Staatskosten; bei denBarbaren: knicende Begrüßung und Ausweichen bei derBcgcgnung,endlich Geschenke, wie sie nach der Landessitte wertvoll sind?Denn das Geschenk ist nicht nur Wertgabe, sondern auch Ehren-zeichen, darum streben danach sowohl die Habsüchtigen, als die Ehr-
1. Nämlich, daß das Geleistete als etwas Großes gelten konnte.
2. Unter den hier von Aristoteles einzeln aufgezählten Ehrenbezei-gungen, welche bei den Griechen verdienten Männern zn teil wurden,stehen obenan: Opfer an Festtagen und Weihung geheiligter Plätze.Solche Ehre erwiesen z. B. im Peloponnesischen Kriege die Bürger vonAmphi'polis dem kühnen Spartanerfeldherrn Bra'sidaS, wie Thuky'dideSuns (V, Kap. 11) erzählt, wo es heißt: „Hierauf bestatteten alle Bundes-genossen in feierlichem Waffenznge folgend den Brasidas auf Staatskostenin der Stadt an dem oberen Ende des jetzigen Marktes, und zuletztschlossen die Amphipolitaner sein Denkmal mit einer Umzäunung ab undheiligten den Platz wie die Begräbnisstätte eines HeroS, wie sie ihmauch jährliche Festspiele und Opfer gebracht haben." Ehrcninschriftcnnannten ihn den Stifter der Stadt. — Über Ehrenstatnen s. Torsovon Ad. Stahr, T. I, S. 405 ff. Alle diese Dinge nahm das Christen-tum ans, indem cS sie ans seine „Heiligen" übertrug. — Der persischeBrauch der Begrüßung durch Niederwerfen oder, wie die stolzenGriechen cs nannten, durch „Anhnndelnng" lngon'/.ö-^ 2 i;) ist bekannt.Damit verbunden! war das Znrseitew eichen beim Nahen des Königs,worüber Näheres bei den Auslegern zu Plntarch, Artaxe'rxeS, Kap. Xl,und Herodia'n III, Kap. 11.