Erstes Buch. Drittes Kapitel.
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und die rein virtuosistische^ Die wesentlichen Bestandteile desBeratens sind das Anraten und das Abraten; denn mit einemvon beiden haben es in allen Füllen sowohl die zu thun, welcheprivatim raten, als die, welche in der Volksgemeinde über Staats-angelegenheiten sich vernehmen lassen. Vor Gericht handelt es sichentweder um Anklage oder um Verteidigung; denn eins von diesenbeiden liegt notwendig den Parteien zu leisten ob. Bei der vir-tuosistischen Gattung endlich kommt es entweder auf Lob anoder auf Tadel.
4. Was ferner die jeder Gattung zukommende Zeit anlangt,so hat es der beratende Redner mit der Zukunft zu thun; — dennes sind zukünftige Dinge, zu denen er durch seine Rede raten odervon denen er abratcn will, der gerichtliche dagegen mit der Ver-gangenheit; — denn immer sind es geschehene Dinge, welche hierder Gegenstand seiner Anklage, dort der Gegenstand seiner Vertei-digung sind. Der rein virtuosistische endlich hat es vorzugsweise mitder Gegenwart zu thun, — denn Lob oder Tadel richten sich im all-gemeinen auf gegenwärtige Zustände; doch zieht er auch das Ge-schehene, indem er es in Erinnerung bringt, und das Zukünftige,indem er ein Bild davon vorausentwirft, in seinen Bereich.
5. Was den Zweck angeht, so hat jede dieser Redegattungeneinen besonder», und es gibt dreierlei Zwecke, wie es drei Nedegat-tungen gibt. Für die beratende ist es das Nützliche und das Schäd-liche; denn der Zurodende rät etwas als das bessere an, und derAbredende rät von etwas als von einem schlechteren ab, währender die übrigen Gesichtspunkte, z.B. des Gerechten oder Ungerechten,der Ehre oder Unehre, nur gelegentlich als Hilfsmittel zu seinemZwecke herbeizieht. Für die gerichtliche Rcdegattung dagegen istes das Gerechte oder das Ungerechte, während die Redner alles
l. Die „rein virtuosistische" Gattung der Beredsamkeit ist die-jenige, bei welcher derjenige, der sich hören läßt, keinen wirklichen prak-tischen Zweck vor sich hat, sondern nur vor einem Publikum, das gleich-falls nur rein künstlerisch interessiert ist, seine Virtuosität als Redner„zeigen" will. Daher der griechische Name für diese Gattung, die „epidei'k-tische", d. h. die, wobei eS ans das Sichzcigen ankommt. Vgl. West er-mann, Geschichte der griechischen Beredsamkeit, II, S. 143.
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