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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
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Erstes Buch. Zweites Kapitel.

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wenn man an vielen ähnlichen Fällen Nachweise, daß etwas sich sooder so verhalte, dies dort Induktion, hier Beispiel ist, undzweitens, daß, wenn man zeigt, daß unter gewissen vorhandenen Vor-aussetzungen ein anderes Weiteres deshalb entweder durchgängigoder doch fast immer folge, weil jene Voraussetzungen eben vor-handen sind, dies dort Syllogismus, hier Enthymem heißt.

10. Es liegt nun am Tage, daß jede von beiden Arten derBeredsamkeit ihr Gutes hat; denn wie bereits in der Methodik *gesagt ist, so verhält es sich auch hierbei ähnlich; es ist nämlich dieeine Manier der Beredsamkeit vorzugsweise auf das Beispiel, dieandere auf das Enthymem gerichtet, und die Redekünstlcr sindebenso teils vorzugsweise Paradeigma'tiker, teils Enthymema'tiker.Überzeugung bewirkend sind nun die Reden, welche sich der Bei-spiele bedienen, in nicht geringerem Grades mehr überwältigendenund bestürzenden Eindruck^ bringen dagegen die enthymematischenhervor.

11. Über den Grund (der Wirkung) beider und über die Artund Weise, wie man sich ihrer zu bedienen hat, werden wir späterreden; jetzt aber wollen wir vielmehr ihr Wesen möglichst rein zubestimmen versuchen.

Tie Sache ist nämlich die: was Überzeugung hervorbringt,bringt sie bei irgendjemand hervor, und zwar übt es diese Wir-kung entweder unmittelbar durch die ihm selbst innewohnendeÜberzeugung und Glauben erweckende Kraft oder dadurch, daß esdurch etwas an und für sich Überzeugung und GlaubenVerdienendeserwiesen zu sein scheint. Nun hat es aber keine Wissenschaft undKunst mit dem Einzelnen zu thun, z. B. die Wissenschaft der Me-dizin nicht mit dem, was für So'krates und Ka'llias gesund ist, son-dern mit dem, was dem oder dem so oder so beschaffenen Menschen

1. Die hier von Aristoteles citierte SchriftMetho'dika" halten einigefür identisch mit derZweiten Analytik" des Aristoteles, in deren erstemKapitel des ersten Bnchs sich allerdings das hier Angeführte findet.

2. Nämlich als diejenigen, welche sich vorzugsweise auf den Beweisdurch Enthymeme stützen.

3. Vgl. Rhetorik' III, Kap. 18, § 4.