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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Aristoteles, Redekunst.

die Rhetorik und die, welche mit dieser Kunst Staut machen, in dasGewand der Politik, wovon bald Mangel an Bilduugseinsicht, baldEitelkeit, bald andere menschliche Schwachen die Ursache sind? InWahrheit nämlich ist sie ein Teil und Seitenstück von der Dialektik,wie wir gleich zu Ansange gesagt haben. Denn keine von beidenist eine solche Wissenschaft, die ein abgegrenztes Gebiet hätte,dessen Wesen sie zeigte, sondern beide haben es nur mit gewissenFähigkeiten zu thun, die darauf hinführen, Gründe an die Hand zugeben. Und hiermit ist wohl von ihrer Bedeutung und ihren:gegenseitigen Verhältnisse zu einander genug gesagt.

8. Was nun die Überzeugungsmittel anlangt, welche durchwirkliches oder scheinbares Beweisen gewonnen werden^, so ist eshier damit gerade so, wie auch in der Dialektik: sie sind nämlichebenso, wie dort, teils Induktion, teils Syllogismus, teilsscheinbarer Syllogismus; denn das Beispiel ist Induktionund das Enthymem ein Syllogismus. Ich nenne aber Enthy-mem einen rhetorischen Syllogismus, Beispiel eine rhetorischeInduktion. Alle Redner aber gewinnen ihre Übcrzcugungsmitteldadurch, das; sie entweder Beispiele oder Enthymeme beibringen,und man kann sagen, das; damit der Bereich erschöpft ist. Folglich:wenn cs wirklich unbedingt notwendig ist, das; jedweder, derirgendetwas beweisen will, es entweder durch Schlüsse oder durchInduktion thun muß es ist aber wirklich so, wie wir aus derAnaly'tik wissen^, so muß auch notwendig je eines von diesenbeiden mit je einem von jenen dasselbe sein. 9. Was aber fürein Unterschied ist zwischenBeispiel und Enthymem, wissen wiraus der Topik? Dort nämlich ist bereits früher über Syllo-gismus und Induktion gehandelt und gesagt, daß erstens.

1. Vgl. Biese, Philosophie des Aristoteles, I, Einleitung S. 19.

2. Alle subjektive Überzeugung ( 771011 ;) wird gewonnen entweder aussubjektiven Gründen oder ans äußerlichen Wahrnehmungen.Alles, waSwir glauben," sagt Aristoteles in der Physik V, Kap. I,davon sindwir überzeugt entweder durch einen Syllogismus oder infolge einer In-duktion." S. Biese I, S. 220, Anmerkung 1.

3. S. Aristoteles, Erste Analytik, II, 23. Vgl. Biese I, S. 220 ff.

4. Topik I, 12.