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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
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Erstes Buch. Zweites Kapitel.

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5. Die Stimmung der Zuhörer zweitens ist wirksam, wenndieselben durch die Darstellung des Redners zu einem Affekte ge-brachtwerden, dennwirfällen unsere Entscheidungen nicht auf gleicheWeise, wenn wir betrübt oder freudig, von Liebe oder von Haff er-regt sind, wie denn auch, meiner Ansicht nach, die heutigen Rheto-riker auf diesen Punkt allein * ihre Anweisungen abzielcn lassen.Doch hierüber wird das Speziellere beigcbracht werden, wenn wirüber die Leidenschaften handeln werden.

6. Durch die Darstellung des Redners endlich wird die Über-zeugung der Zuhörer dann vermittelt, wenn wir etwas als wahr oderals wahrscheinlich aus den in dein vorliegenden Falle und Gegen-stände selbst sich ergebenden Gründen der Überzeugung aufzeigen.

7. Da nun also die Überzeugungsmittel in diesen drei Dingenihre Duelle haben, so liegt es am Tage, daß diese drei Dinge inder Macht dessen liegen, welcher das Vermögen besitzt, Schlüffe zubilden, das Sittliche und die Tugenden und drittens die Leiden-schaften philosophisch zu erkennen und zu bestimmen, was und wiebeschaffen jede einzelne Leidenschaft ist, aus welchen Duellen undauf welche Weise sie im Menschen entsteht. So ergibt sich denn, das;die Rhetorik, so zu sagen, eine Art von Nebenschößling ist aus derDialektik und aus der Ethik, die man mit Fug und Recht eine poli-tische Wissenschaft zu nennen hat? Darum hüllt sich denn auch

persönliche Rechtschaffenheit (imeixei-x) des Redners, d. h. sein Nuf alsMensch bei den Zuhörern, gehört freilich nicht in die Theorie der Rhetorik;diese setzt nichts dergleichen voraus. Denn daß die Zuhörer einem ManneGlauben schenken und seiner Ansicht beitreten darum, weil sie ihn bereits,noch ehe er spricht, als ein Muster von Tugend und Rechtschaffenheit kennen,das hat nichts mit der Rhetorik zu thun. Diese nimmt an, daß die Hörervon der sittlichen Persönlichkeit des Redenden v orher gar nichts wissen, son-dern daß sich seine Rechtschaffenheit erst durch die Art und Weise seinerDarstellung der Sache vor ihnen ausprägt. Dies, der sittliche Charakterder Darstellung selbst, ist Gegenstand der Rhetorik, wie er denn auch vonentscheidender Wirkung ist auf die Gewinnung der Hörer zum Glaubenan das, was der Redner sagt. Danach ist die Lesartdie allein richtige.

1. Vgl. das vorhergehende Kapitel § 9.

2. Sofern nämlich der Politiker die Leidenschaften und Bestrebungender Menschen, sowie ihre Sittlichkeit, in seinen Bereich zu ziehen hat.