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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Aristoteles, Redekunst.

macht, die Geometrie auf die Bedingungen und Verhältnisse derräumlichen Größen, die Arithmetik auf Zahlenverhältnisse; dieRhetorik dagegen gilt allgemein für die Kunst, welche, so zu sagen,für jeden gegebenen Fall das Glaubenerweckende zu erkennenvermag. Darum behaupten wir auch von ihr, daß ihr Kunstgebietkein ihr eigenes, auf eine bestimmte Gattung von Gegenständenbegrenztes sei.

2. Was nun die Überzeugungsmittel anbelangt, soliegen sie teils außer-, teils innerhalb der Kunst. Außerhalb-liegende nenne ich alle diejenigen, welche nicht durch unser Thunhervorgebracht worden sind, wie Zeugen, peinliche Befragungen,Ürkunden und all dergleichen; in den Bereich der Kunst gehörendagegen alle diejenigen, welche auf methodischem Wege und durchuns geschaffen werden können. Die erstercn also hat inan nur an-zuwendcn, die letzteren dagegen muß man selbst ausfindig machen.

3. Der Überzeugungsmittel, welche durch die Rede hervor-gebracht werden, gibt es drei Arten: entweder nämlich liegen sie inder sittlichen Verfassung des jedesmaligen Redners oder in der Artund Weise, wie derselbe den Hörer stimmt, oder endlich in der Redeselbst, welche dieselben dadurch hervorbringt, daß sie beweist oder zubeweisen scheint. 4. Die sittliche Verfassung* ist wirksam, wenndie Darstellung durch die Rede von der Art ist, daß sie den Redendenglaubwürdig macht, denn dem rechtschaffenen Manne glauben wir,wie überhaupt in allen Dingen leichter und eher, so insbesondereda, wo nicht absolute Gewißheit möglich ist, sondern Verschieden-heit der Meinungen ins Spiel kommt, sogar unbedingt. Es mußaber auch diese Wirkung durch die rednerische Darstellung erreichtwerden und nicht Resultat einer vorgefaßten Meinung über die sitt-liche Beschaffenheit des Redenden sein. Denn es ist falsch, wenneinige in ihren Anweisungen zur Redekunst die Rechtschaffenheit desRedenden als ein Moment ausstellcn, welches keinen Einfluß habeauf die Erweckung der Überzeugung, während der sittliche Charakterdoch vielmehr, so zu sagen, die höchste überzeugende Kraft besitzt?

1. D. i. die Persönlichkeit deS Redners.

2. Der Sinn dieser vielfach angefochtenen Stelle ist einfach dieser: Die