Erste« Buch. Zweites Kapitel.
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Unterschied ist nur, daß hier (in der Rhetorik) der eine Rednervermöge seiner wissenschaftlichen Einsicht, der andere vermögeseiner Willcnsabsicht ein Redner sein wird, während dort einerSophist nur vermöge seiner Willensabsicht, Dialektiker da-gegen aber nicht vermöge seiner Willensabsicht, sondern nur ver-möge seiner wesentlichen Befähigung sein kann.
15. Jetzt wollen wir versuchen, von der Anleitung zur Be-redsamkeit selbst, das heißt darüber zu sprechen: auf welche Weiseund mit Hilfe welcher Mittel wir befähigt werden mögen, die vor-gesteckten Ziele zu erreichen. Wir wollen also gleichsam wiedervon vorn mit der Definition der Beredsamkeit ansangen, welcheaussagt, was sie ist, und sodann das weitere abhandeln.
Zweites Kapitel.
1. Ich sage also: Redekunst ist das Vermögen, fürjeden einzelnen Gegenstand und Fall das in ihmliegendeGlaubenerweckende zu erkennen. Denn dies leistetkeine einzige andere Kunst. Jede andere nämlich ist mit ihrerlehrenden und überzeugenden Thätigkeit aus ihr spezielles Gebietbeschränkt, z. B. die Heilkunst auf das, was gesund und was krank
Dialektik selbst in ihren speziellen Teilen. Was bei der Dialektik die Syllo-gismen sind, das sind bei der Rhetorik die Enthymeme. Aber was entsprichtldiese Frage läßt er sich hier aufwerfen) in der Rhetorik dem sophistischenSyllogismus? Die Antwort lautet: nichts; denn nur der wirkliche und derscheinbare Syllogismus sind wesentliche für sich bestehende Klassen, denen inder Rhetorik die wirklichen und scheinbaren Enthymeme entsprechen. Ein so-phistischer wird dagegen ein Syllogismus nicht durch eine in ihm selbstliegende Eigenschaft, sondern lediglich durch die bewußte Willensabsicht dessen,der ihn anwendet, sowie dieser selbst ein Sophist ist, weil er die Absichthat, den Schein für Wahrheit auszugeben. Den Sophisten also und den so-phistischen Schluß macht die bewußte Absicht den Dialektiker
nur seine ihm innewohnende Fähigkeit (oov--g.ie). Vgl. Biese 1, 620 ff.;Schwegler zu Aristoteles' Metaphysik, 7. II, S.159. Redner dagegenkann einer ebensowohl durch das eine als das andere sein. Dies also ist derPunkt, wo die von Aristoteles gezogene Parallele zwischen Rhetorik undDialektik, wie er bemerkt, nicht mehr zutrifft.