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Aristoteles, Redekunst.
leichter glaublich zu Machende. Endlich aber wäre es doch wunder-lich, wenn es, während es doch allgemein für den Leib als schimpf-lich gilt, sich selbst nicht helfen zu können, nicht schimpflich seinsollte, sich mit der Rede nicht helfen zu können, die doch weit mehreine dem Menschen eigentümliche Gabe ist, als der Gebrauch seinerkörperlichen Gliedmaßen.
13. Wenn man aber auf den großen Schaden hinweist, deneiner durch den Unrechten Gebrauch solcher Nedegewalt anrichtenkann: nun so ist das allen Gütern, die Tugend allein ausgenommen,gemeinsam und trifft gerade vorzugsweise die nützlichsten, wieKörperkraft, Gesundheit, Reichtum, Feldherrnkunst. Denn dassind lauter Dinge, durch deren richtigen Gebrauch einer den größtenNutzen, wie durch ihren unrichtigen Gebrauch den größten Schadenstiften kann?
14. Es ist also gezeigt, daß die Rhetorik nicht aus ein be-stimmtes Objekt beschränkt, sondern in dieser Beziehung der Dia-lektik ähnlich und daß sie nützlich ist, ferner, daß ihre Aufgabe nichtist,Überrcdungsmittel zu geben, sondern dasjenige zu ermitteln, wasin jeder speziellen Sache an Momenten der Glaublichkeit vorhandenist, ganz wie das auch in allen anderenKunstthcorieen insgesamt derFall ist; denn auch die Heilkunst hat nicht die Aufgabe, gesundzu machen, sondern, soweit es möglich ist, dazu nnzuleiten. Dennes ist möglich, auch diejenigen, für welche die Erlangung der «vollen»Gesundheit unmöglich ist, dennoch auf die richtige Weise ärztlich zubehandeln. — Endlich haben wir gesehen, daß es gleichmäßig Auf-gabe der Rhetorik ist, das wirklich und das nur scheinbar GlaubenErweckende zu erkennen, gerade wie wir es in der Dialektik ebenso-wohl mit dem wirklichen, als mit dem scheinbaren Syllogismus zuthun haben, — denn der sophistische Syllogismus wurzeltnicht stn dem Wesen, sondern nur in der sittlichen Absicht? Der
1. Diese Bemerkung ist gegen Platon gerichtet, den Aristoteles nichtzu nennen brauchte, weil jeder damalige Leser die Polemik gegen Platonvon selbst verstand.
2. Die Sophistik hat nur und geht nur ans den Schein des Wissens,während die Dialektik doch wenigstens zu einer Art von Wissen führt, wennsie auch nicht das Wissen selbst ist. Aristoteles parallelisiert hier Rhetorik und