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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Erstes Buch. Erstes Kapitel.

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wesentliche handeln, und weshalb sie sich vorzugsweise dem Gebieteder Prozeßberedsamkeit zugewendet haben ft liegt am Tage.

12. Nützlich aber ist die Rhetorik einmal, weil von Naturund ihrem Wesen nach das Wahre und Gerechte stärker sind als ihrGegenteil, sodaß, wenn die Entscheidungen nicht wie es sich gehörtausfallen, notwendig an uns die Schuld liegt, wenn beide denkürzeren ziehen, was offenbar ein Vorwurf sür uns ist. Zweitensist es einem gewissen Kreise von Menschen gegenüber, selbst wennwir die gründlichste Wissenschaft besäßen, keineswegs leicht, aus der-selben heraus sie durch unsere Rede zu überzeugen. Denn die wissen-schaftliche Behandlungsweise ist Sache des systematischen Lehrvor-trags; ein solcher ist aber hier? eine Unmöglichkeit, wo es vielmehrgilt, die Überzeugungsmittel und die Gründe mittelst des Allge-meinsaßlichen zu gewinnen, wie wir das auch in den Vortrügenüber die Topik in Bezug auf das bei der großen Masse zu beobach-tende Verfahren wiederholt bemerkten? Drittens ist es nötig,daß man im stände sei, entgegengesetzte Ansichten zu verfechten,gerade wie auch bei den Syllogismen, nicht um davon praktischenGebrauch zu machen, denn kein Ehrenmann darf das Schlechteverfechten, sondern einmal, damit wir wissen, wie man es macht,und sodann, damit wir, wenn ein anderer solche Gründe zum Nach-teil der gerechten Sache anwcndet, unsererseits die Mittel haben,sie in ihrer Nichtigkeit aufzuzeigen. Von allen anderen Disziplinenunternimmt es freilich keine einzige, Entgegengesetztes gleichmäßigdurch Schlüsse zu beweisen; die Dialektik und die Rhetoriksind die einzigen, welche dies thun, denn beide begreifen, die einewie die andere, das Entgegengesetzte in sich. Aber freilich, die derBehandlung zu Grunde liegenden Thatsachen verhalten sich nichtauf dieselbe Weise, sondern hier sind immer das Wahre und Bessereihrer Natur nach auch, so zu sagen, das leichter zu Beweisende und

1. In dem griechischen Worte liegt zugleich das Ne-

gative, die Abwendung von dem Wesentlichen, nicht ohne eine leise spottendeFärbung angedentet.

2. D. h. bei einem Publikum, wie es der Redner vor sich hat.

3. Aristoteles, To'pik, I, 2; Biese I, 618.