Aristoteles' Rhetorik.
Lrstes Buch.
Erstes Kapitel.
1. Die Rhetorik ist ein entsprechendes Seitenstück zur Dia-lektik^; denn beide haben es mit Gegenständen solcher Art zuthun, welche in gewisser Beziehung Gemeingut für die Erkenntnisaller sind und keiner bestimmt abgegrenzten Wissenschaft angehören.Daher sind auch in gewisserBeziehung alleMenschenRhetoriker undDialektiker; denn alle befassen sich damit, bis zu einem gewissenGrade einerseits ^ die Ansichten anderer zu untersuchen und dieeigene Ansicht geltend zu machen, andererseits ^ sich gegen An-klagen zu verteidigen und selbst andere anzuklagen.
2. Die ununterrichtete Masse von Menschen verrichtet dieseThätigkeiten teils unbewußt und zufällig, teils vermöge einerdurch Gewohnheit erworbenen Fertigkeit. Da es aber auf beideWeise möglich istsi so ist es klar, daß es auch möglich sein muß,zu derselben Anleitung zu geben. Denn es ist möglich, auf wissen-
1. Vgl. Fr. Biese, Philosophie des Aristoteles, Berlin 1835, T. I,S. 220 und 620ff;Ägid Menage zu Dio'genes von Lae'rte VII, 42.
2. Als Dialektiker. S. Biese a. a. O. I, 618.
3. Als Rhetoriker.
4. Diese Thätigkeiten zu verrichten.