Erstes Buch. Erstes Kapitel.
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schaftlichem Wege die Ursache zu ermitteln, warum sowohl die ge-wohnheitsmäßigen als die zufälligen Redner ihre Erfolge erreichen;eine solche Ermittelung aber ist, wie jedermann zugebeu dürfte,gerade das, was eine Theorie leistet.
3. Bisher haben nun die bekannten Verfasser der „Thcorieender Beredsamkeit" nur einen kleinen Teil einer solchen Theorie zuTage gefördert. Das einzige nämlich, was eine streng theoretischeBehandlung zulüßt, sind die Überzeugungsmittel, alles andere da-gegen ist neues Beiwerk; und doch sagen jene Theoretiker kein Wortvon den EnthiMe'men", welche doch die Grundlage der Überzeu-gung sind, während sie sich über das Außerwesentliche in aller Aus-führlichkeit verbreiten. 4. Denn Verdächtigung, Mitleid, Zorn undalle sonstigen Affektionen der Seele haben nichts mit der Sachezu thun, sondern beziehen sich auf den Richter. Wenn es alsobei allen Gerichtsverhandlungen so wäre, wie es gegenwärtig ineinigen, und zwar gerade in den gesetzlich wohleingerichteten, ist,so würden sie gar nichts sagen können. 5. Allgemein glaubt mannämlich entweder, die Gesetze müßten so gebieten, oderman handeltwirklich danach und verbietet demPlaidierenden von der Sache ab-zuschreitcn, wie in dem hiesigen Areopa'ggcrichte^, was durchausauf einer richtigen Ansicht beruht. Denn die Plaidierenden sollenden Richter nicht von der Sache ablenken, indem sie ihn auf das Ge-biet des Zorns oder des Neides oder des Mitleids hinführen; eswäre das ja gerade so, wie wenn einer das Instrument, dessen ersich als Richtscheit bedienen will, zuvor erst krumm machen wollte.
1. Über die „Enthymeme" (Geineinschlüsse) spricht Aristo'tcles imzweiten Buche Kap. 22. — Gleich zu Anfänge der Rhetorik zeigt übrigensAristoteles seinen polemischen Standpunkt gegen die früheren und gleich-zeitigen Rhetoriker, zumal gegen Plaüons Günstling Zso'krates, diesenechten Repräsentanten glatter und zierlicher Oberflächlichkeit. Diese Po-lemik tritt,auch weiterhin (Kap. II, §Z 4, 5, 7, IS, 20) vielfach hervor.Durch Aristoteles ward die Rhetorik zuerst ein Eigentum der Philo-sophie und blieb dies seitdem. Bgl. Manso, Vermischte Schriften,S. 34; Stahr, Aristoteli'a I, S. 63—71.
2-, Vgl. Wachsmnth, Hellenische Altertumskunde (Nene Ausl.1852 ff.), 11, 1, S. 339; Pauly, Realencyklopädie, I, 705.
* Der Laut, hinter dem das Zeichen ^ steht, hat den Ton: Deutschland n'ler a'lles.
sScnigenscheidtscht V. gr. u. röm. Kl.; Bd. 21; Lfrg. 19.^ Tlristoteles II. 2