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Die Berechtigung der Allegorie.
gallerie kennen. Es ist eben an sich eine thörichte und widersinnigeVerschwendung, Säle, die zur Aufnahme von Werken der bildendenKunst bestimmt sind, mit Wand- und Deckengemälden zu schmücken.Denn das Publicum besucht diese Säle um ihres Inhalts willen;es nimmt von vorn herein an, daß dieser Inhalt, wegen dessen dasHaus gebaut ist, mehr werth sei, als der Schmuck der Wände; eskommt nicht aus den Gedanken, daß man sich bemüht haben könnte,die Kunstwerke, zu deren Beschauung es eiugeladen wird, durch anderetodtzumachen: und so begnügt es sich mit den Bildern und Statuen,die ihm bequem zur Betrachtung aufgestellt sind, ohne sich den Halsauszurecken zum Anschauen der Deckengemälde.
Darum können wir zugeben, daß an anderer, passenderer Stelle,wo sie den Hauptgegenstand der Betrachtung bilden, auch allegorischeDarstellungen mehr Wirkung ausüben können. Es ist auch gar nichtmeine Meinung, daß die moderne Kunst sich der Allegorie völlig zuenthalten brauche. BIüinner führt eine Anzahl von Fällen an, indenen der allegorische Ausdruck dem individuellen oder typischen vor-zuziehen sei, zum Beispiel „eine allegorische Darstellung der Damps-kraft der sehr prosaischen eines dahinsausenden Bahnzuges"; manchmalwird es auch schwer, geeignete Typen zu finden; so verewigt man denRuhm einer wissenschaftlichen Lehranstalt sicherlich besser durch dieStatuen berühmter Hehrer, als durch die Allegorieen der vier Facul-täten; leider aber giebt es Universitäten, denen es recht schwer wird,für jede Facultät einen geeigneten Vertreter zu finden; eine wenigstenskenne ich, die, nachdem sie aus einem Denkmal zur Feier ihres vier-hundertjährigen Bestehens einem berühmten Manne zwei rechtunberühmte zur Seite gestellt, für die vierte Facultät genöthigt war,sich einen Alaun zu borgen, der nie an ihr als Docent gewirkthatte. - Und warum sollte man es, auch abgesehen von monumen-talen Werken, dem Maler verwehren, seine Kunst an Aufgaben zuversuchen, deren Gelingen zweifelhaft ist? Nur soll er dabei dasjenigebeachten, was, wie ich meine, mit Gewißheit aus unfern obigen Aus-führungen erhellt: erstens, daß allegorische Gestalten nur soweit interessiren können, als sie an sich interessant sind,das heißt, als sie Schönheit, körperliche und seelische, zur Anschauungbringen. Die Schilliugsche Germania aus dem Niederwald, dieSchapersche in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses sind Herr-