Der transitorische Ausdruck.
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Es ist klar, daß, was vom Reiz, das ist der schönen Bewegung,gesagt ist, ebenso von jeder andern Bewegung des Antlitzes und desKörpers gelten muß. Und somit wären wir bei nnserm Ausgangs-punkt angelangt, dem Satze, dessen Richtigkeit wir bereits oben(XXXVl) erwiesen haben: Der einzige Augenblick, welchen die Kunstzur Nachahmung von Handlungen nützen kann, dars nichts aus-drücken, was sich nicht als dauernd oder, wie Lessing sagt,nicht anders als transitorisch denken läßt. Und nachdem wirinzwischen gesehen haben, inwiefern die Kunst überhaupt Beweguugenauszudrücken vermag, so können wir nun auch die Frage, wie weitdie Kunst transitorischen Ausdruck nachahmen soll, die Frage, wieweit Lessings Beispiel vom lachenden La Mettrie, wenn es auch aufdie vorhergehende Definition nicht paßt, doch an sich richtig ist, ge-nauer beantworten: Bewegungen, die weder an sich noch für das Augeoder die Vorstellung einen Ruhepunct zulassen, kann die Kunst über-haupt nicht darstellen, und wir haben gesehen, daß alle acutenAusbrüche des Assects unter diese Kategorie fallen. Was sie aus-drücken kann, sind schneller oder langsamer vorübergehende Aeuße-rungen des Assects, also Gesichtsausdruck und Stellungen, die einergewissen Dauer fähig sind. Da diese aber auf dem Bilde sich innichts von dem Ausdruck seelischer Eigenschaften, also von per-manentem Ausdruck unterscheiden, so müssen sie, wenn der Be-schauer sie nicht als Ausdruck der Persönlichkeit, des Temperamentsoder des Charakters aufsassen soll, ausdrücklich als transitorisch,als Ausdruck des Assects oder der Stimmung kenntlich ge-macht werden. Und dies geschieht dadurch, daß uns der Künstlerdie Ursache des Assects oder der Stimmung zeigt. Sobald wirdiese Ursache nicht erkennen, wird nicht bloß der Reiz, sondernjeder Ausdruck zur Grimasse. Und dies ist natürlich bei denmeisten Einzelfiguren, säst bei allen Porträts der Fall. Der „trunkenlachende Satyr" (Blümner a. a. O. S. 50) ist hinlänglich charakterisirt,Jsack von Ostades Bauer mit dem Schlapphut (Berliner Museum445 V, Samml. Suermoudt) schaut uns so weinselig an, daß wir beiderHeiterkeit als Ausdruck der Stimmung aufsassen; dem lachendenLa Mettrie sehen wir keine Ursache des Lachens an, und darum fassenwir es als Ausdruck des Charakters. Dagegen erscheint uns auchder höchste Ausdruck der Leidenschaft oder des Seelenschmerzes nicht