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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Der transitorische Ausdruck.

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XXXIX.

Zer transitorische Ausdruck.

Wenn es sich hier um eine Einzelheit handelte, in der wir mitLessing nicht übereinstimmen konnten, so müssen wir nun dagegen,gleichfalls im Anschluß an unsere letzten Auseinandersetzungen, einenPunct von allgemeinerer Bedeutung besprechen. Es handelt sichum die bereits mehrfach erwähnte Stelle des einuudzwanzigsten Ab-schnitts (S. 240 s293ft:Ein anderer Weg, aus welchem die Poesiedie Kunst in Schilderung körperlicher Schönheit wiederum einholet,ist dieser, daß sie Schönheit in Reiz verwandelt. Reiz ist Schönheitin Bewegung, und eben darum dem Maler weniger bequem als demDichter. Der Maler kann die Bewegung nur errathen lassen, in derThat aber sind seine Figuren ohne Bewegung. Folglich wird derReiz bei ihm zur Grimasse."

Die ganze Stelle steht, mit Ausnahme des Anfangs wörtlich,schon im Urentwurf, und da schon hatte Mendelssohn zu dem Schluß-satz und dem beigegebenen Beispiel:Eine marmorne Venus, die dalächelt, lächelt immer, und was ist anstößiger, als das Transitorischeder Natur in ein Fortdauerndes der Kunst zu verwandeln?" die wenigstens in Bezug auf die bildende Kunst richtige Bemerkunggemacht:Sowohl Dichter als Maler scheinen sich vielmehr dieseRegel vorgeschrieben zu haben: eine Person allein und in Ruhe mußeinen fortdauernden Anstand, in Verbindung oder Handlung aber einetransitorische Attitüde haben. Die Venus in Ruhe liebt das Lächeln;wenn sie aber ihren Amor liebkoset, oder die Bildsäule des Pygmalionbelebt, so lächelt sie wirklich". Nichtsdestoweniger hat Lessing denSatz:Folglich wird der Reiz bei ihm (dem Maler) zur Grimasse"in den Laokoon ausgenommen, obgleich er doch, als er ihn abschrieb,zugleich Mendelssohns Worte vor Augen hatte. Es ist mir nun garnicht zweifelhaft, nicht nur, daß er mit diesem Satz nur Einzelfigurenim Sinne hatte, sondern auch, daß er nicht auf den Gedanken kam,man könne das nicht merken. Denn indem er erst davon spricht,daß der Dichter körperliche Schönheit durch ihre Wirkung, alsodurch die Verbindung mit andern Figuren erkennen läßt, und danneinen andern Weg nachweist, den der Dichter also doch offenbar