Die Bewegung.
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in welcher der Ausdruck der Bewegung wesentlich zur Erhöhung derSchönheit dient, beruht die Wirkung aller ähnlichen Kunstwerke,wie Lionardos Anghiarischlacht, die Hauptgruppen in RafaelsConstantinschlacht, Rubens' Raub derTöchter desLeucippus,Amazonen-schlacht, Löwenjagden, Cornelius' apokalyptische Reiter, KaulbachsHunnenschlacht, Hennebergs Jagd nach dem Glücke, ebensosehr wiedie der lebhaft bewegten plastischen Gruppen. Aber wenn wir jenenBeispielen, deren Zahl sich ja allerdings reichlich erhöhen ließe, dieMassen von wacker componirten und trefflich ausgeführten Kunst-werken entgegenstellen — vom Farnesischen Stier bis zum Bilde desletzten Rennens in Baden-Baden —, deren Künstler sich vergeblichbemühen, uns glauben zu machen, ihre Figuren bewegten sich,während sie doch eben jenen Eindruck der Unbeweglichkeit machen,wie ihn der Dichter mit dem Worte „ein gemalter Wüth'rich"bezeichnet: dann werden wir doch wohl Lessing zugeben müssen, daßBewegung, und Schönheit in Bewegung, dem Maler „weniger bequem"ist als dem Dichter, und daß daher die Darstellung der Bewegungschwerlich in dem Grade Hauptaufgabe der bildenden Kunst sein kann,wie manche neuere Aesthetiker es uns glauben machen wollen. Aberwir haben auch schon darauf hingewiesen, daß, sobald der Ausdruckder Bewegung nur zur Erhöhung der Schönheit beiträgt, es nichtso viel verschlägt, wenn er nicht bis zum höchsten Grade der Illusiongetrieben ist.
Wir wollen also keineswegs dem Künstler den Rath geben, sichder Darstellung der Bewegung zu enthalten, sondern nur, behutsamin der Auswahl zu sein und namentlich kein Mittel außer Acht zulassen, durch welches das Entgegenkommen der Phantasie gefördertwerden kann. Besonders ein solches Mittel will ich hervorheben,welches Blümner, wie mir scheint, zu wenig berücksichtigt hat.Nämlich da die gemalten Gegenstände in der That ruhen, so wirdder Maler Bewegung am leichtesten durch solche Gegenstände dar-stellen, welche wir gewöhnt sind als in Bewegung befind-lich auszufassen, während wir sie in Ruhe sehen. Das istder Fall mit allen solchen Gegenständen, welche, in solcher Entfernungvon unserem Auge, daß wir die einzelnen Theile nicht mehr genauunterscheiden, sich in der Richtung der Are unseres Blickes uns nähernoder von uns entfernen. Mit aller Kunst, mit allen möglichen Hülfs-