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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
Entstehung
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Die Bewegung.

Mitteln wird uns der Maler kaum bereden können, daß ein Schiff,welches wir der Länge nach vor uns sehen, sich wirklich bei uns vor-bei bewegt. Eher werden wir, wenn wir es zum Beispiel nachrechts gerichtet sehen und die Wellen sich an seinem Bug brechen,während die Segel in entgegengesetzter Richtung sich blähen, eine Be-wegung erkennen, aber freilich keine Vorwärtsbewegung, sondern diedes Umlegens. Wenn wir dagegen den Bug des Schiffes uns zu-gekehrt sehen, dazu die Wellen, die sich an ihn: brechen, die Segel,die uns ihre Wölbung zukehren, oder die Rauchwolke, die sich nachhinten zieht: so empfangen wir den fast unmittelbaren Eindruck, daßdas Schiff auf uns zukommt. Und ebenso vermag uns der Malerdurch die Stellung des Schiffes und der Segel, oder die Richtungdes Rauches, verbunden mit der von vorn nach hinten sich verschmä-lernden Kielfurche, sehr wohl ein von uns sich entfernendes Schiffzu zeigen. Nur darum lassen wir uns aus modernen Schlachtenbilderndie beliebten weißen Wölkchen in der Luft gefallen, weil wir ver-muthlich in den meisten Fällen gar nicht der Intention des Malers ge-mäß ohne Weiteres annehmen, daß es auf uns zukommendeBomben sind; wenn aber ein Maler in die rechte Ecke des Bildeseine Batterie mit nach links gerichteten Kanonen und thätiger Be-dienung malte und in die Mitte der Luft die weißen Wölkchen: wirwürden die Batterie keineswegs als Hülssmittel, als Wegweiser fürdie Bewegung empfinden, vielmehr die Zumuthung, die weißen Wölk-chen als an uns vorüberfliegende Bomben aufzufassen, entschieden zu-rückweisen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem geworfenen Balle,von dem wir vorhin sagten, daß wir ihnvielleicht" fliegen sehenwürden: es wird dies am ersten der Fall sein, wenn die beiden Per-sonen nicht in einer Tiefe des Bildes stehen, sondern etwa die fan-gende ganz vorn, die werfende weiter nach hinten, so daß der Ballauf uns zufliegt. Freilich das Beste dabei müssen immer die beidenBallspieler thun, indem sie unser Auge durch ihren Reiz so fesseln, daßwir für den Ball nur gelegentlich einen flüchtigen Blick übrig haben;denn sobald wir denselben fest ansehen, verschwindet der Eindruckder Bewegung vollständig.