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Die Bewegung.
Aus der Vielheit dieser Forderungen ergiebt sich nun offenbareine neue Bedingung: es müssen mehrere Motive zusammeu-wirken, um die Einbildungskraft anzuregen. Das geht schon mitNothwendigkeit aus dem vorhin erwähnten Widerspruch hervor. Wennder Moment, in welchem der Gegenstand der Bewegung dargestelltist, ein wirklicher oder scheinbarer Ruhepunct ist, dieser Gegenstandaber als unzweifelhaft in Bewegung erkannt werden muß, wie wirgesagt haben: so muß Letzteres durch einen andern Gegenstand, welcherentweder die Ursache oder die Folge der Bewegung zeigt, bewirktwerden. An dem Verfolger erkenne ich die Eile der Flucht, derFliehende zeigt mir die Unaufhaltsamkeit der Verfolgung. EineReiterschaar in Bewegung zu zeigen, ist viel leichter, als einen ein-zelnen Reiter. Ausgreifende Pferde, die geschwungene Peitsche desKutschers, auswirbeluder Staub, das Bild schnell rollender Räder:dies zusammen giebt den Eindruck lebhafter Bewegung, den ein ein-zelner dieser Züge nicht machen würde.
Besonders läßt die Forderung, daß wir nicht zu allzulanger Be-trachtung eines Gegenstandes genöthigt werden, sich nur dadurch er-reichen, daß das Bild uns eine Mannigfaltigkeit von Gegenständenzeigt, welche, indem sie sämmtlich in irgend einer Weise an der Be-wegung betheiligt sind, den Eindruck derselben erhöhen, zugleich aberdem Auge Gelegenheit geben, von einem zum andern schweifend, jedennur so lange hintereinander zu betrachten, daß sich eben die Vor-stellung des Ruhepunktes nicht in die der Ruhe verwandelt. Invollendetster Weise habe ich diese Aufgabe gelöst gefunden in Henne-bergs „Spazierritt in der römischen Campagna" (Hennebergausstellungder Nationalgallerie 1877; das in Privatbesitz befindliche Bild istmeines Wissens leider nicht vervielfältigt), einem Bilde, welches eben-sosehr durch die Schönheit und Anmuth seiner Figuren, als durchden wirkungsvollen Ausdruck der lebhaftesten Bewegung entzückt.Indem hier das Auge von einem der schönen Thiere, einer der präch-tigen Reitergestalten zur andern schweift, um immer wieder aus derüberaus lieblichen Reiterin in der Mitte (aus dem Fuchs) auszuruhen,so erhält es überall, in Stellungen, Gewändern, Mienen den Eindruckder Bewegung und wird doch nie genöthigt so lange auf einer Stellezu verweilen, daß der Beschauer sich der thatsächlichen Unbeweglichkeitder Gestalten bewußt würde. Und hierauf, auf dieser Combination,