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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die Bewegung.

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wir die Bewegung als solche auffassen und, nachdem wir die Figurlange ruhig betrachtet haben, es als einen störenden Widerspruchempfinden, daß wir sie so lange ruhig betrachten können, da sie unsdoch längst weggelaufen sein oder ihre Stellung gänzlich veränderthaben sollte? Eine Empfindung, die ich z. B. bei der Diana vonVersailles und dem Myronischen Diskoswerfer nicht los werden zukönnen gestehe.

Aber die Erfüllung aller bisher gestellten Forderungen genügtnoch nicht; der Moment muß, und das ist die fünfte Forderung, sodargestellt sein, daß nicht nur die Art, sondern auch die Richtungund das Ziel der Bewegung deutlich daraus erkennbarsind. Ich habe dies bereits oben (XXXI, S. 131) besprochen unddarauf hingewiesen, daß wir beispielsweise die Stellung eines Armes,die ebensogut der Bewegung des Hebens wie der des Senkens znkommt,eben darum gar nicht als Bewegung aufsassen. Wenn uns ein Künstlereine Figur in einer derartigen zweideutigen Stellung zeigte, welchewir als Ruhestellung nicht für möglich hielten, so würden wir dennochnicht unsere Einbildungskraft anstrengen, die Richtung der Bewegungzu erkennen, sondern wir würden den Künstler tadeln, der uns eineso erzwungene Stellung vorführte. Umgekehrt ist zum Beispiel dieTänzerin in SiemiradskysSchwertertanz" eine prachtvolle Figur ft)aber wenn man uns sagen wollte, sie solle in dem Momente darge-stellt sein, wo sie sich rückwärts überschlagend sich zwischen dieSchwerter stürzt, da müßten wir das Bild für vollständig verfehlt er-klären. Gesetzt, die Reflexion, daß ein Ball oder Stein nicht in der Luftschweben könne, genüge, um den an einem Pnncte der Luft gemalten fürdie Phantasie in Bewegung erscheinen zu lassen: so ist dies doch nurder Fall, wenn uns die Richtung der Bewegung gezeigt wird. Wennwir zwei Personen sehen, von denen die eine eben geworfen hat, dieandere die Hände zum Fang anfhebt, so glauben wir vielleichtden Ball zwischen ihnen fliegen zu sehen; stehen sie aber beide zumFange bereit, oder sehen wir zwei Werfende einander gegenüber undin der Lust zwischen ihnen zwei Bälle, so ist jede Empfindung einerBewegung aufgehoben.

') In Folge dessen ist sie auch bereits (in H. SchneidersTanzstunde imDionysostempel", in der Jubiläumsausstellung) zur Tanzlehrerin cwancirt.