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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Das Transitorische.

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sich ausbrechen und plötzlich verschwinden, daß sie das, was sie sind,nur einen Augenblick sein können; alle solche Erscheinungen, sie mögenangenehm oder schrecklich sein, erhalten durch die Verlängerung derKunst ein so widernatürliches Ansehen, daß mit jeder wiederholtenErblickung der Eindruck schwächer wird, und uns endlich vor demganzen Gegenstände ekelt oder graut. La Mettrie, der sich als einenzweiten Demokrit malen und stechen lassen, lacht nur die ersten Male,die man ihn sieht. Betrachtet ihn öfter, und er wird aus einemPhilosophen ein Geck; aus seinem Lachen wird ein Grinsen. Soauch mit dem Schreien. Der heftige Schmerz, welcher das Schreienauspresset, läßt entweder bald nach, oder zerstört das leidende Subject.Wenn also auch der geduldigste, standhafteste Mann schreiet, so schreieter doch nicht unabläßlich. Und nur dieses scheinbare Unabläßlicheist es, was sein Schreien zu weibischem Unvermögen, zu kindischerUnleidlichkeit machen würde. Dieses wenigstens mußte der Künstlerdes Laokoon vermeiden, hätte schon das Schreien der Schönheit nichtgeschadet, wäre es auch seiner Kunst schon erlaubt gewesen, Leidenohne Schönheit anszudrücken."

Also Lessing verbietet der Kunst, Erscheinungen auszudrücken,die sich nicht anders als transitorisch denken lassen, zuderen Wesen es gehört, daß sie plötzlich ausbrechen und plötz-lich verschwinden, daß sie das, was sie sind, nur einenAugenblick sein können. Und dieses Verbot bekämpft Bischer(a. a. O. S. 402) mit dem Hinweis auf den Apollo von Belvedere,derin der nächsten Secunde den Arm sinken lassen", auf die Dianavon Versailles, die in der nächsten Secundeden Pfeil auslegenund abschießen" müsse! Und er belehrt uns demgemäß:die Bildner-kunst wäre auf einen unerträglich engen Spielraum begrenzt, wennes ihr nicht erlaubt sein sollte, das Augenblickliche darzustellen," unddabei versichert er alles gegen Lessing! gewichtige Ruhe seizwar die schönste Aufgabe der Bildkunst, aber keineswegs ihre einzige.

Andere machen es nicht besser.Auch das Schnellvorübergehendedes Asfectes ist kein Grund, die Darstellung desselben dem Plastikerzu verweigern," erklärt Feuerbach, und Schopenhauer sagt:Lessings Argument vom Transitorischen hat hundert Beispiele vonvortrefflichen Figuren gegen sich, die in ganz flüchtigen Bewegungen,tanzend, ringend, haschend u. s. w., festgehalten worden sind." Sehr