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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die Unfruchtbarkeit der höchsten Staffel des Affects.

ich wiederhole es, da nicht in Betracht kommen, wo es sich darumhandelt, die Gesetze zu erforschen, denen der Künstler bei seinemSchaffen als Künstler gehorcht.

Ueberblicke ich nun die von Blümner beigebrachten Beispiele, sofinde ich kaum eines, welches theils diesen Gründen, theils unserenAusführungen über Schönheit und Ausdruck (XVXXII) gegenüberStich hielte. Wenn ich früher zugegeben habe, daß die Laokoon-gruppe selbst aus der höchsten Staffel des Affects genommen sei, sonehme ich diesen Jrrthum, der eben auch bei mir aus Mangel anscharfem Denken beruhte, zurück. Welchen Grad der Leidenschaft,welchesÄußerste" der Künstler auch dargestellt haben mag: diehöchste Staffel des Affects ist es nicht. Die höchste Staffeldes Affects ist der höchste Grad des acuten, körperlichen Schmerzes,der sich in dem entsetzlichen Schrei unwiderstehlich Lust macht: unddiesen Schrei, den der Dichter uns hören läßt, stellt der Künstler ebennicht dar.

Im Uebrigen müßte ich ein schlechtes Vertrauen zu der Beweis-kraft unserer eben genannten Ausführungen haben, wenn ich noch eineErörterung des Lessingschen Satzes durch Beispiele für nöthig hielte.Nur aus ein einziges will ich zurückverweisen, die Darstellungen desbethlehemitischen Kindermordes (S. 82 f.). Da habe ich hervorgehoben,daß das Grauenhafte gar nicht an die Darstellung des äußerstenMomentes gebunden ist und ich füge hinzu: ebensowenig kommendie andernandern Gründe", Verständlichkeit und Darstellbarkeit inBetracht; aber ich habe auch angedeutet, wie die Fruchtbarkeitdes Moments im geraden Verhältniß zu seiner Entfernung vomGipfelpuncte steht.

XXXVI.

Aas Transitorische.

Lessing fährt fort:Erhält dieser einzige Augenblick durch die

Kunst eine unveränderliche Dauer; so muß er nichts ausdrücken, wassich nicht anders als transitorisch denken läßt. Alle Erscheinungen,zu deren Wesen wir es nach unfern Begriffen rechnen, daß sie plötz-