Beschränkung des Gebietes durch die Rücksicht auf die Wirkung. 89
welche sich die Nasen zuhalten, Träger der Haupthandlung sind, undOrcagnas (oder Lorenzettis) Triumph des Todes, in welchemderselbe Actus nur episodisch angewandt wird; wenn unser Auge vondem Empörenden zu Erfreulicherem schweifen kann, so erscheint jenesminder gräßlich. Im Ganzen freilich wird man bezweifeln dürfen,ob jemals ein solches Ingrediens dem Gemälde zum Vortheil ge-reichen kann, ob nicht der heroische Charakter Napoleons auf demGrosschen Bilde, das ihn unter den Pestkranken zu Jaffa zeigt,vielmehr zurücktritt hinter die gräßliche Wirkung, welche die entsetz-lichen Gestalten der Kranken und die Mund und Nase zuhaltendenBegleiter des Feldherrn ausüben. Und kann denn, auch für dengröbsten Geschmack, auf dem Rubensschen Bakchaual (in München)die Episode der sinnlos betrunkenen Faunin im Vordergründe zurVerstärkung des Lächerlichen beitragen? Erhöht denn die Steinigungdes Baumeisters auf Kaulbachs Thurmbau etwa die Wirkung desGanzen? wirkt sie nicht vielmehr für sich allein, aber empörend?
Man wird also, wenn man die Entscheidung der Frage von deneinzelnen Fällen abhängig machen will, jedenfalls der LessingschenWarnung eingedenk bleiben müssen.
XXIII.
Aas KMiche.
Aber nicht bloß von der Seite des Ausdrucks, auch von derder Form mich das Gebiet des Darstellbaren begrenzt werden. Dasthut Lessing (L. XXIV, S. 269, s309f ff.), indem er untersucht, welchenGebrauch dem Maler von der Häßlichkeit der Formen zu machen ver-gönnt sei. „Die Malerei," sagt er, „als nachahmende Fertigkeit, kanndie Häßlichkeit ausdrücken; die Malerei, als schöne Kunst, will sienicht ausdrücken. Als jener gehören ihr alle sichtbaren Gegenständezu; als diese schließt sie sich nur auf diejenigen sichtbaren Gegenständeein, welche angenehme Empfindungen erwecken". Und indem er nach-weist, daß die Häßlichkeit, gleichviel ob der Gegenstand, an welchemsie erscheint, wirklich oder nachgeahmt ist, unser Gesicht beleidigt,unserm Geschmack an Ordnung und Uebereinstimmung widersteht und