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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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88
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88 Beschränkung des Gebietes durch die Rücksicht auf die Wirkung.

mehrfach bemerkt habe, dem gröberen Empfinden der Niederländer dessechzehnten Jahrhunderts als lustige, keineswegs anstößige Bilder.Ja auch in unserer Zeit finden Kunstrichter, deren Geschmack undästhetisches Urtheil Niemand in Zweifel ziehen wird,urwüchsigeKomik" undköstlichen Humor" in Bildern wie Adrian BrouwersStreit beim Würfelspiel" (Berlin, Suermondtsche Samml.) undP. Brueghel d. Ä.'n.betrunkene Weiber" (s. Denkmäler d. Kunst,89, 7), in welchen es mir wenigstens unmöglich ist, etwas anderes zusehen, als äußerste, jedes Reizes baare Rohheit.

Les sing spricht nicht direct von diesen Arten des Empörenden;es ist aber selbstverständlich, daß sie zu dem gehören, was er alsbloßen, der Schönheit nicht untergeordneten, transitorischen Ausdruck"aus dem Gebiete der bildenden Kunst ausgeschlossen wissen will.Dagegen nennt er (XXV) eine dritte Art des Verwerflichen: dasEkel haste. Und hierin stimmen ihm sämmtliche Aesthetiker derneueren Zeit bei, so daß ich mich näheren Eingehens enthalten darf.

Wenn nun aber das Ekelhaste, das Empörende im aristo-telischen Sinne, und, (wie man mir hoffentlich im Princip zugebenwird, vorbehaltlich abweichender Meinungen im einzelnen Fall) auchdas Bestialische aus dem Gebiete des an sich zur malerischen Dar-stellung geeigneten Ausdrucks unbedingt auszuschließen ist, so entstehtdoch die Frage, wie weit diese Dinge als Theile zusammengesetzterHandlung verwendet werden können, oder, wie Lessing (a. a. O.) sichausdrückt, als Ingrediens, zur Verstärkung des Lächerlichen oder Schreck-lichen. Er selbst giebt keine Entscheidung; auf die Frage, ob dieMalerei in solcher Weise das Ekelhafte verwenden dürfe, antwortet er:Auf ihre Gefahr!" und macht nur darauf aufmerksam, daß in nochhöherem .Grade, als bei der Häßlichkeit der Formen, (s. den folgendenAbschnitt) beim Ekelhaften die Contrastwirkung eine vorübergehende,die unmittelbare Wirkung dagegen eine dauernde sei. Und die neuereAesthetik giebt ihm darin vollständig Recht, ja geht in der Verwerfungdes Ekelhaften noch über ihn hinaus, (s. die Beläge bei Blümner,Laokoon S. 290 s669j ff.).

Ich möchte die Frage nicht principiell entscheiden. Manches istals Theil eines größeren Ganzen erträglich, was allein betrachtet un-erträglich wäre; es ist sicherlich ein Unterschied zwischen dem Porde-uoneschenBegräbniß Christi" (s. oben S. 2), in dem die Personen,