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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Der Stoff als Substrat des Ausdrucks.

Kreuzigung und Himmelfahrt mit esthnischen Bauern und altdeutschenBürgern experimentiren, kann Munkacsy den schönstenRealismus"in seinen Personen walten lassen; ihre Absicht (wenigstens Gebhardts),dadurch die heilige Geschichte dem Empfinden der Gegenwart näherzu bringen, werden sie freilich nicht erreichen; aber der Verständ-lichkeit ihrer Bilder schadet es nichts, dafür sorgt die Unzweideutig-keit der Situation. Aber wo diese fehlt, sind wir in der Regel völligauf die Unterschrift des Bildes angewiesen; wer vermöchte zum Bei-spiel SichelsVestalin" (vervielfältigt im 6. Bde. der Meisterwerkedeutscher Holzschneidekunst) als solche zu erkennen? Und wenn danngar ein Herr M. Lieb erg (Herbstausstellung von Gurlitt in Berlin1885) in vollendeter Thorheit den Munkacsyschen Realismus nach-zuahmen sucht, indem er einen schmutzigen Derwisch malt, der eineGesellschaft von Beduinen haranguirt, so kann kein Mensch auf denGedanken kommen, daß dies, wie uns der Katalog belehrt,die Pre-digt des Propheten Jeremias" bedeuten soll; vielmehr bringt sich derMaler dadurch um jede Wirkung seines Bildes; denn seine Unter-schrift glauben wir ihm nicht, und damit verliert auch die Situationjedes Interesse für uns.

XX.

Die Befähigung der Kunst zur Darstellung vonKandümgen.

Aber nicht bloß in Bezug auf die Kenntlichmachung der Personen,auch auf die Darstellung des Herganges sind der bildenden Kunstviel engere Grenzen gezogen, als man gewöhnlich anzunehmen geneigtist. Dies zeigt sich am deutlichsten an solchen Bildern, in denen derMaler freierfundene Stoffe darstellt, besonders solche, an welchenunsere Tageskritik dennovellistischen Reiz" zu preisen pflegt. JederJahrgang unserer großen und kleinen illustrirten Zeitschriften kannuns dazu Beispiele in Menge liefern. Dabei will ich nicht reden vonden Erklärungen, mit welchen eben diese Zeitschriften die Bilder be-gleiten, und unter denen von dreien wenigstens eine immer das indem Bilde findet, was der Künstler ganz gewiß nicht hat ausdrücken