Der Stoff als Substrat des Ausdrucks.
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versteht, das ist: Adolf von Geldern vor seinem von ihm eingekerkertenVater, im Museum zu Berlin." Die folgende Beschreibung desBildes schließt mit der Versicherung, daß „der Ausdruck in den beidenHauptpersonen von ergreifender Wahrheit" sei. In Lübkes Grund-riß der Kunstgeschichte aber heißt es (7. Ausg. S. 374): „Mächtigergreifend ebendort (im Berliner Museum) Simson, der seinen Schwieger-vater bedroht, ein Bild, das den Künstler aus seiner vollen dämonischenHöhe zeigt." Beide sprechen von demselben Bilde, das jetzt allgemein alsSimson erkannt ist. Ebenso verhält es sich mit dem Dresdener Simsonbeim Gastmahl der Philister, das noch im Hübnerschen Kataloge (1862)als Festmahl der Esther und des Ahasverus bezeichnet ist. Der Mey-ersche Catalog des Berliner Museums dagegen bezeichnet unter denWerken Rembrandts 828 0 als „Junge Frau in ihrem Gemache (Mi-nerva oder Judith?)"! Wahrlich, jener alte Maler war gar nicht sodumm, der einen Hahn malte und darunter schrieb: »guosto ö gallo«!
Im Allgemeinen wird man behaupten dürfen, daß der Künstlernur so weit im Stande ist, seinen Figuren — abgesehen von Por-träts — individuelle Bestimmtheit zu verleihen, als er in seiner Dar-stellung entweder einer allgemein bekannten historischen Überlieferungfolgt, wie sie für Sokrates, Alexander den Großen, Friedrich denGroßen, Napoleon I., Blücher vorhanden ist, oder einem von der älterenKunst sestgestellten idealen Typus, wie ihn Mittelalter und Renaissancefür die Hauptfiguren der evangelischen Geschichte geschaffen haben,oder als er Personen darstellt, welche in der Erinnerung des Be-schauers so innig mit gewissen — geschichtlichen oder poetischen —Situationen verflochten sind, daß mit dem Anblick der letzteren sofortder Name der ersteren lebendig wird. Aus dieser innigen Verflechtungberuht die unmittelbare Verständlichkeit von Werken, wie MakartsJudith, Heidels Iphigenie (in Sanssouci), Feuerbachs Iphigenie(die zweite, die Stuttgarter; die erste entfernt sich doch allzu weit vonunserm durch Gluck und Goethe bestimmten Ideal), Sichels Medea,Marie Spielers Hero, Teschendorfs Antigone und Jsmene (ob-wohl ich nicht verschweigen will, daß bei dem Anblick derselben einesogenannte „gebildete" Dame, trotz der Unterschrift, den Aus-spruch that: „ach, das sind ja wohl die Schwestern von Ebers");nicht zu gedenken der unzähligen Hagars, Susannen und dergleichenbiblischer Figuren. Darum kann denn auch Gebhardt in Abendmahl,