Die Befähigung der Kunst zur Darstellung von Handlungen.
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wollen; denn was kann der Maler für die stumpfen Sinne und denBildnngsmangel seines Erklärers? Aber sehen wir sie uns doch ein-mal genauer an, diese Testamentseröffnungen — die Bokelmannscheso gut, wie die Danhausersche —, diese Taufe des Nachgebornen,diese neue Erzieherin, und wie die Titel alle heißen, welche den Haupt-stugerzeig für das Verständniß zu geben bestimmt sind. Es sind jazum Theil vortreffliche Bilder, ausdrucksvoll und übersichtlich, mitwohlerwogener Wahl des Momentes entworfen, —- aber wird dennwirklich aus diesem das Vorhergehende und Nachfolgende begreiflich?Ja, falls der Gegenstand der Handlung ein durchaus drastischerist: daß auf Hennebergs Jagd nach dem Glücke die aus demBoden liegende Frauengestalt sich dem Reiter in den Weg gestellt hatund überritten worden ist, erzählt uns freilich das Bild, und ebenso,daß Roß und Reiter im Abgrund zerschellen werden; daß der wüthendeBauer, der auf dem Bilde irgend eines tiroler Malers krampfhaft dieStuhllehne ergreift, im nächsten Augenblick den Stuhl gegen seinenGegner schwingen wird, das sehen wir. Aber wo es sich um schwie-rigere Dinge handelt? Wir täuschen uns allzuoft selbst über das, wasdas Bild uns zeigt. Wir, das gebildete Publicum, tragen nämlicheine erkleckliche Masse von Roman- und Novellenschablonen in unfernKöpfen herum; auch bei den Malern beschränkt sich die sogenannteErfindung meistens auf die Verwendung einer solchen Schablone: derBeschauer erkennt in der, die er gemalt sieht, die Figuren einer vondenen wieder, die er bei sich trägt — und er glaubt, daß das Bildihm wirklich eine Geschichte erzählt hat. Thatsächlich aber ist dasHöchste, was im Allgemeinen der Künstler erreichen kann, daß er dieSituation völlig klar macht. Auch das ist nicht so leicht. So hältes Darrhäuser aus dein vorhin erwähnten Bilde für nöthig, die Per-sonen, welchen die Erbschaft zufällt, durch einen Fingerzeig imeigentlichsten Sinne des Wortes zu bezeichnen: so wenig sicher ist ersich darüber, ob er sie auch hinreichend durch den Ausdruck gekenn-zeichnet hat. Das beste Beispiel bietet eines der Bilder, welche inden letzten Jahren die größte Sensation gemacht haben: Girons„Schwestern". Bei dem kolossalen Formate des Bildes brauchte derMaler in Bezug aus Vortrag und Ausdruck sich in keiner WeiseZwang anzuthun; er zeigt uns denn auch die Situation bis in denkleinsten Nebenumstand, und die begeisterte Tageskritik erzählte uns