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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Der historische Stoff im Dienste der Kunst.

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Piloty und seiner ganzen Schule der Fall ist, ja wie das allein, daßsie eben Schönheit darstellt, die Berechtigung der Existenz dieserganzen Schule ausmacht, nicht aber ihre Behandlung der Weltgeschichteals einer Reihe von Opernfinales? Und Gallait? Und Alma Ta-deln a? Geschichte oder Kulturgeschichte, immer sind es die Gestalten,ist es die Schönheit, die ihnen ihre Stoffe empfiehlt. Von denfranzösischen Romantikern brauche ich kaum zu reden; wer, wie Fleury,die Angst vor den Römern, welche in das eroberte Korinth einziehen,dadurch ausdrückt, daß er die jungen Mädchen am Hellen Tage nacktauf der Straße hernmlanfen läßt, dem kommt es doch gewiß sehr ausmannigfaltige Schönheit" und gar nicht aus historische Wahrheit an.Und daß Kaulbachs Treppenhausbilder, bei aller Genialität, mit derhier das historische Nacheinander in ein Nebeneinander verwandeltist, den Inhalt allzusehr hinter der schönen Form zurücktreten lassen,Albumblätter" nannte sie August Fischer, und der verstandmehr davon, als die ineisten Künstler und Kritiker seiner Zeit,das unterliegt wohl keinem Widerspruch. Aber auch da, wo dasBestreben des Künstlers, die historische Erscheinung in völligsterTreue wiederzugeben, am weitesten getrieben ist, wie etwa inMunkacsysChristus vor Pilatus", beruht doch die Wirkung desBildes auch für diejenigen, welche am Bilde nur die Handlungsehen auf der Vollendung der Komposition, der Vereinigung mannig-faltiger Gestalten zu einem bedeutenden Ganzen.

Aber, könnte man mir einwerfen, auf diese Art bleibt ja außer denvon dir alsbanausische Maler des siebzehnten und achtzehnten Jahr-hunderts" bezeichnten gar kein Künstler übrig, auf den der Vorwurf,welchen Lessing den neueren Malern macht, Bezug hätte. Darauf ant-worte ich: das ist es ja eben, es soll und kann auch keiner übrig bleiben,kein Künstler nämlich. Handwerker und Stümper bleiben freilichgenug, nur geht mau in Gallerten und Ausstellungen achtlos an ihrenArbeiten vorüber, und Sammelwerke, Photographien, illustrirte Zeit-schriften verschmähen es dieselben zu verbreiten. Aber man blättrenur in den vielen illustrirteu Geschichtswerken, da findet man Bei-spiele genug. Allerdings muß aber auch das zugegeben werden, daßheutzutage auch der seiner geistigen Fähigkeit nach bloße Hand-werker ein gut Theil mehr Einblick, ich will nicht sagen in dasWesen der Kunst, aber in dieMache" erhält, als zu Lessings Zeit